Teil eines Werkes 
10.-12. Bd. (1850)
Entstehung
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uͤbereinkommen, daß man von einer Perſon, wie dieſe junge Witwe, Alles erwarten kann! Die Verwand⸗

1 ten ihres ſeligen Mannes ſind auch mit ihr brouillirt,

denn ſie hat ihnen mehrere Dienſte verweigert.

Die Undankbarel

Die alte Admiralin T., z. B., hat ſich erboten, in ihrem Hauſe zu wohnen. Wie paſſend war es nicht fuͤr die junge Frau, einen ſo achtbaren Schutz in ihrer Naͤhe zu haben. Aber: Nein, ich danke mei⸗ ner gnaͤdigen Tante, ich habe nicht genug Platz fuͤr dieſe Ehre.. Na, ſie koͤnnen uͤber ſie lachen, denn wenn ſie ſtirbt, erben ſie doch Alles.

Ach nein, denn ehe es ſo weit kommt, wird ſie Alles, bis auf den letzten Fetzen, vertanzt haben... Doch ich glaube, es iſt ſchon bald Mittag!

Die unerhoͤrte Neuigkeit, welche die Blumenexcel⸗ lenz mitgebracht, brannte den werthen Damen auf der Zunge ſie mußten hinaus und ſich abkuͤhlen.

Als die Thuͤr ſich hinter der letzten der Damen ſchloß, eilte Lilia in ihr Schlafzimmer und warf ſich, mit beiden Haͤnden vor den Ohren, in eine Sophaecke.

Das beſchwerliche Lever, welches vier volle Stun⸗ den gedauert, war endlich uͤberſtanden.

Die Heilige athmete auf. Und nachdem die let⸗ ten, unharmoniſchen Toͤne an ihren Ohren vorbeigezit⸗ tert und erſtorben waren, ſtreckte ſie matt den Arm uͤber den Tiſch, ſchob die aufgeſchlagene Poſtille hin⸗