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der purpurrothe Shawl, der ſich um ihre Schultern ſchmiegte, eine Idee von Farbe zu leihen vermochte: die letzte halbe Stunde hatte die ſämmtlichen Roſen hinweg⸗ gekehrt. Nichts deſto weniger war ſie in dieſem Augen⸗ blicke zum Entzücken ſchön, als ſie dort ſtand mit dem Schmerze und der Verzweiflung in ihrem Antlitze, mit dem ſammetweichen Arm über dem Kopfe, in deſſen ge⸗ kräuſelten ſeidenen Wogen die Hand ruhte, beleuchtet von dem Schimmer der in den Candelabern flackernden Hoch⸗ zeitlichter.
Thränen, durchſichtige Thränen, zitterten von der marmornen Wange auf die marmorne Scheibe herab⸗ Seufzer erhoben die Bruſt. Das Gehör war zu einer peinigenden Klarheit geſteigert.
Die Gedanken entwickelten ſich ungefähr folgender Maßen:
„Was habe ich gethan— was habe ich gewagt! O, ich habe mich ſchrecklich in dem Mittel geirrt, den Schmerz auf immer aus meiner Seele zu reißen... Noch ſchlimmer: ich habe mich in meiner eigenen Stäcrke geirrt!“
In dem angränzenden Zimmer näherten ſich Schritte.
Lavinia blieb unruhig ſtehen, ſichtbarlich außer Stande, weder einen Ton noch eine Geberde hervorzu⸗ bringen. Nur ſie ſelbſt konnte aus dem immer heftiger zitternden Herzen beurtheilen, bis zu welcher Höhe ihre Unruhe ſtieg
Der Rittmeiſter trat ein.
Der Ort, an welchem Lavinia ſtand, fiel nicht ſo⸗ gleich in die Augen; nachdem jedoch die Blicke des Bräu⸗ tigams verwundert über den Fond des Zimmers geglitten waren, ſo wendete er ſich um und trat unwillführlich einen Schritt zurück, als er die weiße unbewegliche Ge⸗ ſtalt gewahrke. Haͤtte ſie nicht den rothen Shawl gehabt, ſo wuͤrde er ſich haben eibilden können, daß er ſeine Verſtorbene, nicht aber ſeine lebende Gattin vor ſich he.
Einige Sckunden betrachtete er ſie, nicht mit den


