Erſtes Kapitel.
Der dichte Nebel, der ſich faſt immer an den Som⸗ mermorgen auf den Chriſtiania⸗Fjord und ſeine kleinen Buchten lagert, hatte nach und nach ſeine graue Decke erhoben und zog jetzt in leichten Ringen über das Meer dahin.
Die Sonne war eben aufgegangen, und ihre blenden⸗ den Strahlen beſchienen die ſchneeweißen Flügel einiger Seeſchwalben, die ihre in der blanken Meeresfläche ſich abſpiegelnden Geſtalten mit Wohlgefallen zu betrachten ſchienen, während ſie ſich in blitzesſchnellen Bewegungen bald über das durchſichtige Gewäſſer erhoben, bald ſich wieder auf daſſelbe hinabſenkten, um etwa einen früh auf⸗ geſtandenen, ſchlaftrunkenen Häring oder einen andern kleinen Fiſch zu entdecken, der paſſend ſein könnte, ihren Morgen⸗ appetit zu befriedigen. Auf den Klippen ſaßen hie und va noch in ihren geraden Reihen die ernſthaften Möven in angenehmen Schlummer verſenkt und unbeweglich gleich Taback rauchenden Muſelmännern vor ihren Harems. Nur die eine oder die andere hob wohl bisweilen leiſe ein Bein und bewegte gemächlich die Flügel— eine Bewegung, die vielleicht einem Gähnen oder auch einer Anfrage bei der Nachbarin entſprechen konnte, ob es wohl nicht bald Zeit ſein möchte aufzuwachen und ſich an die Tagesge⸗ ſchäfte hinaus zu begeben.
Der Einſiedler ꝛc. I. 1


