Teil eines Werkes 
3. Bd. (1867)
Entstehung
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VII.

Des durchlauchtigen Herrn Leupold von Deſſau winterliche Vergnügungen hatten ſeinem Naturell ge⸗ mäß mit den feinen oder vielmehr verfeinernden Ab⸗ wechslungen, wie ſie in den höchſten und hohen Kreiſen an andern Höfen beliebt waren, nichts zu ſchaffen. Wer aus Dresden oder aus Berlin, ſo ſparſam auch König Friedrich Wilhelm I. ſeinen Hofhalt eingerichtet hatte, durch Zufall nach Deſſau kam, mußte ſich in dieſer Beziehung auf ein Eiland verſetzt glauben, wo dergleichen Blüten der Civiliſation noch unbekannt waren. Die fürſtliche Familie lebte ſtill, die Junker⸗ ſchaft war im Lande meiſt ausgemerzt, und der Reſt derjenigen Adelsfamilien, nach deren Eigenthum die Willkür des Fürſten noch nicht gegriffen, fand ſich aus ſehr nahe liegenden Gründen nicht bewogen, ſich bei Hofe einzufinden. Man hielt es für das Rath⸗

Carion, Der alte Deſſauer. III. 1