Fünßzehntes Kapitel.
Am Fenſter der Wohnung, die Kepler mit ſei⸗ ner jungen Gattin jetzt ganz innehatte, ſtand die letztere in glänzendſter Toilette und ſchaute hinaus auf die Straße, die von geputzten Menſchen wim⸗ melte, obgleich ein mit Schnee untermiſchter Regen durchaus nicht zum Flaniren einzuladen ſchien.
Fräulein Renata von Eggenberg ſaß ebenfalls im höchſten Staate auf dem ſchönen, mit gepreßtem Leder beſchlagenen Lehnſtuhle, der für den eigentlichen Ehrenplatz in dem Prunkzimmer der jungen Frau Barbara Kepler galt, und genoß ein Gläschen ge⸗ würzten Weins, das ihr die Hausfrau freundlich vor⸗ geſetzt. Nur von Zeit zu Zeit nippte die alte Dame an dem aromatiſchen Getränk und ſetzte das Glas 1857. XXII. Johannes Kepler III. 1


