Schwach hoben ſich die ſo lange feſtgeſchloſſenen Augenlieder empor, ein Seufzer bewegte den Bu⸗ ſen, und obgleich die Lippen ſich noch nicht zum Reden oͤffueten, ſchienen doch ſo ſchreckliche Bilder vor der Erinnerung des armen Maͤdchens aufzu⸗ ſteigen, daß ſie, das matte Haupt auf beide Ar⸗ me ſtuͤtzend, in einen Strom von Thraͤnen aus⸗ brach.— Freundlich weigerte ſie ſich die ihr angebotene Nahrung anzunehmen, bat aber bald darauf mit kaum hoͤrbarer Stimme um einige Tropfen Waſſer. Liebevoll eilte die Mutter den Wunſch zu erfuͤllen, und nicht ſo bald hatte Vio⸗ la den ſie verzehrenden, brennenden Durſt ge⸗ löſcht, als ſie traurig um ſich herumblickte, dann wieder auf ſich ſelbſt zeh, nun furchtſam auf das Meer ſchauete, und endlich mit gepreßtem Her⸗ zen ſragte:„Mutter, theure Mutter! an welche unbekannte Küſte ſind wir geworfen?— Wie kamen wir hierher, und wie kannſt du den An⸗ blick des fuͤrchterlichen Elements ertragen, das uns ſo viel Unheil brachte?“
„Seine Wuth verfolgt uns hier nicht mehr, mein geliebtes Kind; der Kampf iſt voruͤber, alle augenblickliche Gefahr verſchwunden, und der


