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er wie ſein Freund lang trug, war dunkelbraun und hatte einen gol⸗ denen Schimmer, wenn die Sonne darauf fiel; es lockte ſich natürlich und war ausnehmend weich und ſeiden in ſeinem Gewebe. Seine großen, hellen, dunkelbraunen, glücklichen Augen waren mit langen, rabenſchwarzen Wimpern umfranzt und ſaßen unter Brauen, welche bereits den Ausdruck intelligenter Kraft und, was noch beſſer iſt, ent⸗ ſchiedenen Muthes und offener Biederkeit trugen. Seine Geſichtsfarbe war ſchön und etwas blaß; ſeine Lippen zeigten beim Lachen ausneh⸗ mend weiße und gleichgereihte Zähne. Aber ſo zart geſchnitten ſein Profil war, ſo war es doch fern vom griechiſchen Ideal; auch fehlte ihm der hohe Wuchs, den man gewöhnlich als weſentlich für die per⸗ ſönlichen Anſprüche des männlichen Geſchlechtes betrachtet. Ohne geradezu klein zu ſein, war er doch unter der mittleren Größe, und aus der gedrungenen Entwicklung ſeiner Formen konnte man ſchließen, daß er bereits vollkommen ausgewachſen war. Sein Anzug war, obſchon nicht ausländiſch, wie der ſeines Kameraden, doch eigenthüm⸗ lich;— ein breitrandiger Strohhut mit einem großen blauen Band; Hemdkragen hinabgeſchlagen, ſo daß der Hals offen ſtand; eine dunkel⸗ grüne Jacke aus dünnerem Zeug als Tuch; weiße Pumphoſen und ditto Weſte vollendeten ſein Koſtüm. Er ſah aus wie einer Mutter Lieblingskind— vielleicht war er eines.
Krack fuhr über ſeinen Rücken eine jener ſeunteſchen mechaniſchen Erfindungen, die auf Märkten ſehr im Schwung ſind und dem Opfer, welchem ſie applicirt werden, die angenehme Ueberzeugung beibringen ſollen, daß ſein Kleid entzweigeriſſen ſey.
Der Knabe wandte ſich ſo raſch um, daß er den Sünder oder vielmehr die Sünderin, ein hübſches Dorfmädchen, höchſtens ein paar Jahre jünger als er ſelbſt, beim Arm erwiſchte.„Auf der That er⸗ tappt, verurtheilt und abgeſtraft!“ rief er, indem er einen Kuß raubte und dafir einen ſanften Klaps erhielt.„Und nun Gutes für Däſsg, hier ſind Bänder, wähle Dir eines.“
Das Mödchen wich ſcheu zurück, aber ihre Begleiterinnen ſießen
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