Teil eines Werkes 
1. Theil (1854)
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lichkeiten Jugenderinnerungen im Gemuthe des Jünglings wach würden? Denn wie nahe liegt der Gedanke eines Verdachts? Hier ein einſames und ſtilles Schloß, bewohnt von einem gänzlich von der Geſellſchaft getrennten Paare, über deſſen Herkunft die dichteſten Schleier gebreitet ſind. Könnte nicht hier jener unglückſelige Knabe geboren worden, nicht hier ſein Kerker geweſen ſein? Wehe uns, wenn der junge Menſch vielleicht durch Aehnlichkeiten dieſes Ortes mit ſeiner früheren Umgebung getäuſcht, Vermuthungen ausgeſprochen hätte, unſere Ruhe wäre dann auf das Aeußerſte bedroht.

Der Himmel ſei geprieſen, daß ſie wieder fort ſind! ſprach Sophie und ſuchte des Freundes Beſorgniſſe zu zerſtreuen.

In das Publikum kamen immer neue Märchen über den geheim⸗ nißvollen Grafen. Was längſt geſichert erſchien, Ludwigs völlig un⸗ geſtörter Aufenthalt in Eishauſen, das wurde jetzt erſt als bedroht angeſehen und erregte Beſorgniß. Die Stadt und die dortige obere Behörde hätte nur ungern den Mann aus dem Lande ſcheiden ſehen, der fort und fort durch großmüthige Unterſtütung der Armen und Nothleidenden ſich kützlich und wohlwollend erwies, und beſchloß deß⸗ halb, dem Grafen ein ſichtbares Zeichen dankbarer Anerkennung zu geben. Sie verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht der vormaligen Re⸗ ſidenzſtadt Hildburghauſen. Es konnte nicht, fehlen, daß dieſes Zeichen dankbarer Würdigung und Hochachtung ſeines Charakters Ludwig tief rührte und innig erfreute, und um ſo lieber blieb er nun in der ſtillen Häuslichkeit und in dem engen Kreiſe, den nun ſchon ſo lange und bis in das nahende Alter hinein um ihn und Sophie die traute Gewohnheit gezogen hatte. Um aber nicht blos Bürger der Stadt Hildburghauſen zu heißen, ſondern auch der That nach es zu ſein, erwarb er käuflich ein Wohnhaus in der Stadtnähe, mit einem an daſſelbe ſtoßenden Garten und ließ auch noch einen an dieſen angrenzenden Wieſengarten von einem dritten Beſitzer erkaufen. Bald umgab auch dieſes Haus der Zauber des Geheimnißvollen; hohe dichte Bretterumzäunungen friedigten das neue Beſitzthum, Hof und Gärten ein; Läden, welche ſtets verſchloſſen blieben, verwehrten das Erdgeſchoß gegen jeden zudringlichen Blick.

Das Haus wurde völlig zur Wohnung eingerichtet und angemeſſen möblirt, auch ein neuer, höchſt eleganter Wagen wurde eigens von

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