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mein lieber Abbe Eckhel in Wien auch deren Freund iſt, der mich in meiner Eitelkeit und Gelehrſamkeit auf den Tod verwundete, und dem ich, ich ſage ich, die Hand noch küſſen möchte, mit der er die Feder führte, die mir nicht dumme Schmeicheleien, ſondern die reine, in ſeiner gründlich tiefen und gelehrten Ueberzeugung wurzelnde Wahrheit ſchrieb. Doch— wie weit ſchweifen wir ab von unſerm Ziele, mein lieber Windt— fahren Sie fort, Sie ſchlimmer advo- catus diaboli!
Um Gott, Excellenz! Dies Wort iſt nicht Ihrer Gnaden Ernſt. Ich hätte noch viel zu ſagen— aber wenn Hochdieſelben mir zürnen—
Halten Sie mich für ein Kind, Windt? Fürwahr, dann wäre ich wohl ein recht altes. Noch denke ich nicht, obſchon ich neunundſiebenzig Jahre zähle— kindiſch zu ſein.
3. Der Abſchied.
Die Reichsgräfin unterbrach dieſes Geſpräch, indem ſie klingelte. Weisbrod trat ein und erhielt den Befehl, den jungen Herrn zu ihr zu beſcheiden. Dann nahm ſie den Faden der Rede wieder auf und ſprach zu Windt: Die geſtrige Scene verlockte uns in den Irrgarten der dramatiſchen Poeſie mit ſeinen unbeſchnittenen Laubgängen— bleiben wir bei der Hauptſache: Warum hat ſich Ihr Sinn gewendet? Sind Sie eine Windfahne?
Nein, Excellenz! vertheidigte ſich Windt: eine ſolche bin ich nicht, vielmehr hoffe ich bewieſen zu haben, und denke es ferner zu beweiſen, daß mir die Wünſche und Vortheile Ihrer Ercellenz über Alles gehen. Aber— Excellenz lieben ja die Wahrheit, und Wahrheit muß Wahr⸗ heit bleiben. Was auch geſtern Störendes, Widriges und aufs neue Hemmendes vorgefallen ſein möge, das darf ich doch kühn behaupten, daß das Gemüth des gnädigen Erbherrn durch mich und meine Briefe zu wahrer Liebe und Ehrfurcht gegen Ihre Excellenz geſtimmt war;


