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Stuhl zu nehmen, da ich alles Unrecht auf ſeine Seite brin⸗ gen wollte. Als aber mein Kutſcher angeſpannt hatte, und ich wieder abfahren wollte, nöthigte mich ein Bedienter im Namen Sr. Excellenz wieder aufs Schloß zu kommen. Da ich überzeugt war, daß Albergati mir einen neuen Schimpf zugedacht habe, ziehe ich eine Karte aus der Taſche und ſage zum Lakaien: Hier iſt mein Name und meine Adreſſe, das iſt Alles, was ich für Ihren Herrn thun kann.
Als ich nach Hauſe kam, berichtete ich an Zaguri über dieſen Empfang. Ich bat ihn, Sr. Excellenz zu melden, daß ich mich gröblich beleidigt fühle und Genugthung verlange. Am folgenden Tage übergab mir meine Wirthin einen
Karte mit der Aufſchrift: Se. Excellenz der General Al⸗
bergati. Severini erſchien im ſelben Augenblicke und ich zeigte ſie ihm. Ich wußte nicht, was ich von dem Gene⸗ neralstitel denken ſollte, als er mir ſagte: Er habe vom König von Polen den Stanislausorden und den Kammer⸗ herrntitel bekommen. Nun verſtehe ich, unterbrach ich ihn; es iſt der Gebrauch, daß die Kammerherrn den Rang von Generaladjutanten erhalten, und Albergati hat es für an⸗ gemeſſen gefunden, den Adjutanten wegzulaſſen und den General beizubehalten. In den Augen der Narren ſchmückt
er ſich mit dieſer Pfauenfeder. Wolan, ich werde ihm eine
Lektion der Beſcheidenheit geben. Ich nahm die Feder und verfaßte eine kleine Schrift in dialogiſcher Form. Eine der ſprechenden Perſonen fragte die andere, ob ein General⸗ Kommiſſair ſich General nennen laſſen dürfe, ob ein maré- chal-de-camp Marſchall ſei u. ſ. w. Ich endete mit fol⸗ gender an das Publikum gerichteten Frage: Kann man Jemand für einen verſtändigen Mann halten, der dem von ſeinen Ahnen überlieferten Titel einen mit ſchwerem Golde erkauften vorzieht? Albergati war wenigſtens vernünftig genug, über meinen Dialog zu ſchweigen, der die Stadt auf ſeine Ko⸗ ſten beluſtigte. Das iſt die einzige Rache, die ich wegen ſeines ſchlechten Benehmens nahm.
Druck von Brandes& Schultze in Berlin, Roßſtraße Nr. 8.


