119
Haben Sie das Gegentheil glauben können? Sie haben vom erſten Augenblicke an meine ganze Theilnahme erregt und können über mich verfügen. Sind Sie ver⸗ heirathet?
Nein, aber wir wollen uns verheirathen wenn wir nach Genf kommen.
Setzen Sie ſich und machen Sie mich mit Ihren An⸗ gelegenheiten bekannt. Ich weiß, daß ihr Vater das Un⸗
glück hat, in Sie verliebt zu ſein und daß Sie ihn fliehen.
Wie ich ſehe, hat er Ihnen dieſe Mittheilung gemacht und das iſt mir lieb. Ich kam vor einem Jahre nach Lyon und ſobald ich ſeine Ankunft erfahren, flüchtete ich zu einer Freundin meiner Mutter, denn ich könnte keine Stunde mit meinem Vater zuſammen ſein, ohne mich den ſchrecklichſten Gewaltthätigkeiten auszuſetzen, Der junge Mann, den Sie im Bette geſehn, iſt der Sohn eines reichen genfer Kauf⸗ manns. Mein Vater führte ihn vor zwei Jahren bei uns ein, und bald liebten wir uns. Als mein Vater wieder abgereiſt war, wendete mein Liebhaber ſich an meine Mut⸗ ter und bat um meine Hand. Da aber mein Vater in Marſeille war, ſo glaubte meine Mutter nicht ohne ſeine Einwilligung über mich verfügen zu können. Sie ſchrieb ihm, aber er erwiederte, er würde ſie nach ſeiner Rückkehr nach Lyon mit ſeinen Entſchluſſe bekannt machen. Mein Liebhaber ging nach Genf, und da ſein Vater in unſere Verbindung einwilligte, ſo kehrte er mit allen nothwendigen Nachweiſen und wohl empfohlen von Herrn Toloſan zurück. Als mein Vater nach Marſeille zurückkehrte, flüchtete ich, wie ich ſchon geſagt, und mein Freund ließ bei ihm durch Herrn Toloſan um mich anhalten. Ich werde, ſagte er, nicht eher eine Antwort geben, als bis meine Tochter wieder nach Hauſe gekommen iſt. Als Herr Toloſan mir die Antwort meines Baters hinterbrachte, ſagte ich, ich ſei bereit zu ge⸗ horſamen, wenn meine Mutter mich abholen und unter ihren Schutz nehmen wolle; als ihr aber dieſer gute Herr dieſen Vorſchlag machte, ſagte ſie, ſte kenne ihren Mann zu gut, um mich unter demſelben Dache mit ihm wohnen laſ⸗ ſen zu können. Herr Toloſan ſprach nochmals mit meinem


