Teil eines Werkes 
7. Bd. (1850)
Entstehung
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zu Lorenz geſagt, er wäre krank. Hätte ich ihn nicht ge⸗ rufen, ſo würde er nicht gewagt haben, zu mir zu kommen. Er ſtand auf, warf ſich auf den Bauch und mir zu Füßen, küßte mir dieſelben und ſagte unter heißen Thränen, wenn ich ihm nicht verziehe, wuͤrde er noch an demſelben Tage ſterben, denn er fühle ſchon die Folgen der Rache der hei⸗ ligen Jungfrau, welche ich auf ihn herabbeſchworen. Er hatte Leibſchneiden, welches ihm die Eingeweide zerriß, und ſein Mund war mit Blaſen bedeckt. Er zeigte mir denſel⸗ ben und ich ſah, daß derſelbe voll von Schwämmchen war; ich wußte nicht, ob er dieſelben ſchon am vorigen Tage ge⸗ habt. Ich gab mir keine große Mühe zu unterſuchen, ob er die Wahrheit geſagt; mein Intereſſe erforderte, daß ich ſo that, als ob ich ihm glaube und ihm Gnade widerfah⸗ ren laſſe. Zunächſt mußte er eſſen und trinken. Der Ver⸗ räther wollte mich vielleicht betrügen, da ich aber entſchloſſen war, ihn ſelber zu betrügen, ſo kam es darauf an, wer der Schlauſte ſein würde. Ich hatte einen Angriff vorbereitet, gegen den er ſich nur ſchwer vertheidigen konnte.

Ich nahm die Miene eines Begeiſterten an und ſagte:

Setze Dich und dieſe Suppe, worauf ich Dir Dein Glück

verkünden werde, denn wiſſe, daß die Jungfrau vom Roſen⸗ kranz mir mit Tagesanbruch erſchienen iſt und mir befoh⸗ len hat, Dir zu verzeihen. Du wirſt nicht ſterben und dieſen Ort mit mir verlaſſen. Ganz verdutzt und nieder⸗ knieend, da er keinen Sitz hatte, er die Suppe mit mir; ſodann ſetzte er ſich auf den Strohſack, um mich anzuhören. Ich ſprach etwa folgendermaßen:

Der Kummer, welchen Dein ſchrecklicher Verrath mir gemacht, hat mich die ganze Nacht nicht ſchlafen laſſen, weil ich der Briefe wegen verurtheilt werden muß, mein ganzes Leben hier zu bleiben. Mein einziger Troſt, das bekenne ich, war die Gewißheit, daß Du vor Ablauf von drei Tagen hier unter meinen Augen ſterben würdeſt. Erfüllt von die⸗ ſem, eines Chriſten unwürdigen Gefühle, denn Gott befiehlt uns zu verzeihen, verfiel ich vor Ermüdung in eine Art Betäubung, und während dieſes glücklichen Schlafes habe ich eine wirkliche Erſcheinung gehabt. Ich habe die heilige VII. 3