Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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wenig Frauen kennen. Ohne ſie, mein Freund, wuͤrde man die Urſache des Anfalls entdeckt haben, der mir beinahe das Leben gekoſtet hätte. Ihr verdanke ich meine Ehre; aber dadurch hat ſie natürlich erfahren, daß ich einen Liebhaber habe, wie ich weiß, daß ſie ebenfalls einen gehabt hat: aber wir beide haben keine Neugierde gezeigt, unſere Geheimniſſe kennen zu lernen. Die Mutter M. M. iſt eine einzige Frau. Ich bin ſicher, mein theurer Freund, daß Ihr Euch liebt; das kann nicht anders ſein, da Ihr Euch kennt; aber da ich nicht eiferſüchtig bin, ſo verdiene ich, daß Du mir Alles ſagſt. Indeß beklage ich Euch beide, denn Alles, was Ihr thun möget, kann wohl nur dazu beitragen, Eure Leiden⸗ ſchaft zu ſtacheln. Das ganze Kloſter hält Dich für krank, und ich ſterbe vor Sehnſucht, Dich zu ſehen. Komme doch wenigſtens einmal. Lebewohl.

Trotz der Achtung, welche dieſer Brief mir einflößte, war ich nicht ohne Unruhe, denn obwohl ich meiner theuren C. C. vollkommen ſicher war, ſo konnte doch die Spalte uns auch andern Blicken ausſetzen. Ich ſah mich außerdem genöthigt, dieſer liebenswürdigen und vertrauensvollen Freun⸗ din etwas aufzubinden, denn die Ehre und das Zartgefühl geſtatteten mir nicht, ihr die Wahrheit zu ſagen. Ich ant⸗ wortete ſogleich, ihre Freundſchaft für M. M. erfordere, dieſelbe davon in Kenntniß zu ſetzen, daß ſie ſie mit einer Maske im Sprechzimmer haben ſprechen ſehen; dieſelbe habe ich auf das Gerücht von ihren Verdienſten, um ſie kennen zu lernen, unter einem angenommenen Namen ins Sprech⸗ zimmer rufen laſſen und ſie möge daher nicht ſagen, wer ich wäre, ſondern nur, daß ſie mich als den Mann erkannt, der die Meſſe in ihrer Kirche höre. Ich verſicherte ihr auf die unverſchämteſte Weiſe, daß zwiſchen uns keine Liebe be⸗ ſtände, verhehlte ihr jedoch nicht, daß ich dieſelbe für ein vollendetes Weib hielte.

Am heiligen Katharinentage, dem Feſte meiner theuren C. glaubte ich der liebenswuͤrdigen Eingeſperrten, welche nur meinetwegen litt, das Vergnügen, mich zu ſehen, ver⸗ ſchaffen zu müſſen. Beim Ausgehen, als ich in eine Gon⸗ del ſteigen wollte, bemerkte ich ein Individuum, welches mir

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