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erzählen.
Ja, gnädiger Herr, denn ſie zeigt, daß ein junger Mann
nie ſo ſehr Gefahr läuft zu Grunde zu gehen, als wenn er
von einer großen Leidenſchaft beherrſcht wird, und im Stande iſt,
vermittelſt einer vollen Börſe alle ſeine Wünſche zu befriedigen.
Ich war im Begriff, mich zu entfernen, als der Haus⸗ hofmeiſter mir meldete, daß Se. Excellenz mich einladen laſſe, zum Abendeſſen zu bleiben. Ich hatte alſo die Ehre an ſeinem Tiſche zu ſitzen, nicht aber zu eſſen, denn da ich
die tauſend Fragen, welche von allen Seiten an mich ge⸗
richtet wurden, beantworten mußte, ſo konnte ich keinen ein⸗ zigen Biſſen in meinen Mund bringen. Ich ſaß neben dem Pro⸗ topopen Bulgari und bat ihn um Verzeihung, daß ich das Orakel des Popen Deldimopulo etwas ins Lächerliche zu ziehen gewagt. Das iſt eine Betrügerei, antwortete er, welche ſehr ſchwer zu beſeitigen iſt, weil ſie den Stempel des Alterthums trägt.
Als beim Deſſert Madame F. dem General ein Wort
ins Ohr geflüſtert, wendete dieſer ſich an mich mit dem Be⸗
merken, daß er gern hören würde, was mir während meines Aufenthalts zu Conſtantinopel mit der Frau des Türken Juſſuf
und bei einem Türken, wo ich Zeuge eines Bades im
Mondſchein geweſen, begegnet ſei. Sehr erſtaunt über dieſe Aufforderung, erwiederte ich, das wären Sachen, die ſich nicht der Mühe des Erzählens verlohnten, und ich kam ſo davon, da Se. Excellenz nicht weiter in mich drang. Was mir beſonders mißſiel, war die Plauderhaftigkeit von Madame F., welche nicht nöthig hatte, ganz Corfu in das Geheim⸗ niß der Geſpräche zu ziehen, welche ich allein mit ihr führte. Ich wollte, daß ſie eiferſüchtig auf ihren Ruhm wäre, den
ich noch mehr liebte, als ihre Perſon.
Als ich zwei oder drei Tage ſpäter allein mit ihr war, ſagte ſie:
Warum haben Sie dem General nicht ihre Abenteuer
in Conſtantinopel erzählen wollen?
Weil ich nicht will, daß Alle wiſſen ſollen, daß ich Sie
von ſolchen Sachen unterhalte. Was ich Ihnen, Madame,
allein zu er
zählen wage, werde ich gewiß nicht öffentlich
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