176
nen eigenen Augen wieder zu erheben, obſchon ſie im Uebrigen nichts Beruhigendes enthielt.
„Sieh da,“ ſagte er zu ſich ſelbſt,„das erſte Zei⸗ chen von dieſer Erſchlaffung der Gedanken, welche ohne Zweifel der großen Reaktion vorangeht, die langſam, aber ſicher ſich entwickelt.“
„Das Sterben,“ fuhr er fort,„beſteht nicht in einem eigentlichen Aufhören unſeres irdiſchen Daſeins ... der Tod der Seelenkräfte geht voran, und in⸗ dem wir dieſelben, eine um die andere, zu Grabe ge⸗ leiten, werfen wir ſelbſt die drei Schaufeln Erde auf den edleren Theil unſeres Weſens.“
3 Mier ſank Severins ſchöner Kopf auf ſeine Hände nab.
Ein nervöſes Zucken, das an ſeine frühere Schwäche erinnerte, ergriff ſeinen Körper und er konnte nicht ver⸗ hindern, daß ein Paar Thränen ſich vordrängten.
„Warum das?“ fragte er ſich mit nicht geringer Verwunderung.
„Hätte ich wohl je geglaubt, daß ich mit Sehn⸗ ſucht an dieſes Leben, an dieſe Kette von unbefriedig⸗ ten Wünſchen zurückdenken könnte— an dieſes Leben, das doch nichts als Finſterniß und Dunkel iſt unter der Maske von Klarheit und regelrechtem Verſtand.“
„Nein, ich habe keine Urſache, mich darüber zu grämen, daß meine vier Bretter bald bereit ſein werden.“
„Blos darüber gräme ich mich, daß ich nicht leben kann bis zum Schluß... doch ich will noch Muth faſſen: ein Gedächtnißfehler, eine Zerſtreuung— ob⸗ ſchon ich ſonſt nicht mit ſolchen behaftet bin— kann ja Jedermann paſſiren.“
Von nun an will ich mich ganz genau erforſchen, auf Alles Acht haben und mittelſt einer ruhigen An⸗ ſtrengung die Kräfte aufrecht zu erhalten ſuchen, welche der Schoͤpfer in mir niedergelegt hat; ja ich will ſie
8
—
„ OoOoR eeAES △᷑᷑ 2
eerdn ce


