Viola
er da war,
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Beſtimmt zu ſagen, was er jetzt dachte, iſt nicht ganz leicht, aber jedenfalls war es etwas, das ſich auf die bereits erkannte Schwierigkeit ſeiner Stellung und das ganz und gar Unvorhergeſehene in vielen Sachen bezog.
— So z. B. ſuchte er ſich klar zu machen, ob er ſeiner Mündel befehlen ſolle oder nicht, ein für allemal, wenn ſie ihn beſuche, nicht in dieſer Art von Kleidung zu erſcheinen, die ohne Zweifel von einer Neigung zu Ko⸗ ketterie in Toilettenfragen zeugte.
Während Severin ſo gut wie möglich dieſen Ge⸗ genſtand überlegte, zog er einen Bogen Papier an ſich, auf welchen er eine vollſtändige Tagesordnung nieder⸗ ſchreiben und genau verzeichnen wollte, wie die Fra⸗ gen, denn es waren ihrer mehrere, entſchieden werden ſollten.
Aber ſchon dieſe erſte nahm mehr Zeit in Anſpruch, als der genau berechnende Mann auf einzelne Punkte zu verſchwenden gewöhnt war.
So oft Violas jugendliche, geſchmeidige Geſtalt vom Garten her ſchimmerte, war Severin bereit, niederzu⸗ ſchreiben:
„Ordentliche Toilette beim Morgenbeſuch.“
Aber wenn ſie in dieſem Augenblick zurück kam und der Sonnenſchein auf dem weißen Mouſſelin ſpielte, der ſo hübſch gegen das hellgrüne Gebüſch abſtach, und wenn dieſe weiße Farbe ſo gänzlich mit der vollkomme⸗
nen Reinheit in ihren Geſichtszügen zu harmoniren ſchien,
da that er ſeiner Hand Einhalt.
Endlich kam unſer Held auf folgendes Reſultat:
„Kleidung. Strenge Beobachtung des Anſtan⸗ des: nichts Leichtes nach elf Uhr.“
Ganz vergnügt ließ er jetzt ſeine Augen in Viola's Geſicht nach ihren guten Inſtinkten forſchen.
Dieß war zugleich eine Thätigkeit und eine Ruhe, während er überlegte, welche Zeit für den Morgen beſuch feſtgeſetzt werden ſolle.
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