Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-+1₰

23

morgenländiſchen Kirche nöthigen Unterricht empfangen ſollte, und es würde gegen die Heiligkeit dieſes Ortes arg verſtoßen haben, wenn ſie die Czarenbraut bis in die Halle des Kloſters geleitet hätten. Marina fühlte ſich erſchreckt durch das plötzliche Verſchwinden des ſie bis jetzt umgebenden Glanzes, die dunklen Geſtalten der ſchwarzen Geiſtlichen mit ihren hohen Mützen glichen unheimlichen Weſen und die gleichfalls in Schwarz gekleideten Nonnen bewirkten im Verein mit der düſteren Halle keinen freund⸗ lichen Eindruck für ihr Auge. Ein Schauer rieſelte wie Furcht durch ihren Körper, den ſie jedoch beherrſchte und ſehnſüchtig das Ende des Geſanges erwartete.

Als derſelbe verklungen war, ſchritt die Igumena, eine alte ehrwürdige Dame, auf ſie zu und das Zeichen des Kreuzes über ſie ſchlagend, hob ſie an:„Sei geſegnet bei Deinem Eintritt in unſeres Kloſters Stille, wo Du die Lehren der allein rechtgläubigen Kirche empfangen ſollſt, um dem Volke des heiligen Rußlands ein Beiſpiel der Frömmigkeit zu werden, daß es auf Dich als eine Mutter voller Tugenden ſchaue. Sei geſegnet bei Deinem Eintritt, damit Du reichen Segen bei Deinem Austritte aus unſerer Gemeinſchaft mit hinwegnähmeſt auf den Thron als Gemahlin unſers von des Himmels Gnade uns geſchenkten Czaren und Herrn Dimitry und ſein und Dein Leben ein ewig fließender Freudenquell werde. Wie aus dem Nachtgrau der Tag hervorgeht, ſo wirſt Du ge⸗