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könnte, ging ich Dir nach und habe Deinen finſtern, ent⸗ ſetzlichen Monolog mit angehört.“
„Nun wohl,“ verſetzte Lindorm düſter,„wenn Du ihn gehört haſt, ſo brauche ich mich nicht weiter zu er⸗ klären, ich will Dich auch nicht mit der Bitte um Ver⸗ ſchwiegenheit beleidigen, Brant. Darauf verlaſſe ich mich
vollfommen.“
„Das kannſt Du getroſt,“ ſprach jener;„aber erlaube mir als Deinem Freunde und ziemlich ruhigen Beſchauer der wechſelnden Geſchicke, einige Worte zu Deinem Her⸗ zen, zu Deinem Verſtande zu ſprechen, den die Leiden⸗ ſchaft jetzt trübt.“— Sie ſetzten ſich; Brant fuhr fort:
„Wenige ſind der Seelen auf dieſer Welt, die ge⸗ ſchaffen ſind, um einander zu verſtehen, und dieſe treffen einander ſo ſelten. Zu unſerem Troſte geſchieht es jedoch hie und da, und das ſehnende, unruhige Herz hat dann ſeinen Schatten gefunden. Zahllos ſind die Tropfen des Oceans; ſie ſtehen jedoch in einem gewiſſen Verhältniſſe zu einander, denn die ewigen, heiligen Geſetze der Natur vereinigen ſie; aber der geringſte Windſtoß löst ihren Ver⸗ band, Tropfen löst ſich von Tropfen, und der gewaltſame Sturm jagt den einen gegen Norden, den andern gegen Süden, wo ſie ſich mit andern Tropfen vereinen, um bald, auf's Neue getrennt, unbekannten Räumen zuzueilen. So iſt meiner Anſicht nach das gewöhnliche Zuſammen⸗ ſtoßen der Menſchen auf unſerem Planeten. Nicht ſo iſt es mit der Liebe. Sie gleicht der kleinen, klaren Quelle, deren Tropfen, wenn auch augenſcheinlich durch den Hauch getrennt, der die ſonſt ruhige Oberfläche kräuſelt, ſich doch bald wieder vereinigen, um gemeinſam in einander zu ver⸗ ſchmelzen, bis die glühende Sommerſonne beiden ein Grab bereitet, in welchem ſie zuſammen ſterben und während des Winters zuſammen erſtarren, um zugleich wieder den kom⸗ menden Frühlingstag zu begrüßen. Beklagenswerth iſt der Tropfen, der trotzig über die Ufer der Quelle ſchwellend, ſich vermißt, allein einen Strom bilden zu wollen. Er
wird bald vertrocknet ſich im Sande verlieren.“
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