Vierte Abtheilung.
Erſtes Capitel. Das Seefräulein.
Es iſt gegen das Ende des Juli.
Die Morgenſonne, welche ſchon hoch am Himmel ſteht, beleuchtet klar die flachen Küſten der Inſel Wal⸗ cheren, deren lange, ſchwarze Brückenköpfe, welche ihre Linien den Strand entlang ausſtrecken, in einiger Ent⸗ fernung eine täuſchende Aehnlichkeit haben mit den Schieß⸗ ſcharten in einem gewaltigen Feſtungswalle, der hier von den gelben Sanddünen gebildet wird, welche die Inſel umgeben und das innerhalb derſelben gelegene niedere Land gegen die unaufhörlich angreifenden Meereswogen vertheidigen.
Hier begegnet man der Einfahrt zu dem alten Antwerpen, der Hauptreſidenz, der Generalbörſe der rei⸗ chen Kaufmannsariſtokratie und dem Niederlagsplatze der ſchönſten Kunſtprodukte der niederländiſchen Malerſchule. ... Und wirft man den Blick auf das Meer hinaus, ſo ſchaut man eine unzählige Menge von Seglern, welche alle dieſer Einfahrt zuſtreben. 3
Wenn ein achtzigjähriger Seemann, in ſeinem klei⸗ nen Bodenfenſter verteiet, dieſes Gemälde voller Kraft und Leben betrachtet, von dem weißen Punkte dort an dem fernen Horizonte bis zu dem nächſten Schiffe, welches mit vollen Segeln über das treuloſe und dennoch ſo warm Der Jungferthurm. IV. 1


