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„Theure Marie,“ ſagte Klein mit einem ausdrucks⸗ volien hunt. der zum Herzen ging,„ich danke Ihnen, daß Se meine redliche Abſicht nicht mißverſtanden, daß Sie mich beſſer beurtheilt haben, als Ihre Mutter.“ Dieſe Worte verſetzten Marie wieder in ihre gewöhnliche Gemüthsſtimmung.
„O beſter Herr Doctor,“ ſprach ſie mit der naivſten Unſchuld,„es war ja ganz natürlich, daß ich das weit beſſer verſtehen mußte, als Mama; glauben Sie mir, ich bin mehr als froh, daß Sie nicht im Zorne fort⸗ gingen.“—
Dieſe Antwort, die Klein ſo glücklich machte, bewirkte auch, daß er aufgeräumter als gewöhnlich wurde und ein wenig über Mariens Offenherzigkeit ſcherzen wollte.
„Und warum war es denn ſo natürlich, mein beſtes Fräulein, daß gerade Sie mich beſſer beurtheilen ſollen?“ fragte er mit einem ſchelmiſchen Lächeln.
„In Wahrheit, Herr Doctor,“ antwortete ſie und warf einen mißvergnügten Blick auf ihn,„dieſe Frage kann ich nicht beantworten; und ich begreife nicht,“ fügte ſie halb erzürnt hinzu,„warum Sie mich über etwas fra⸗ gen, das ich nicht weiß.“
„Verzeihen Sie mir, holde Marie,“ flüſterte Klein und drückte mit herzlicher Rührung ihre Hand,„ich werde Sie nie mehr ſo fragen. Sie ſind doch nicht böſe auf mich?“
„Nein, gewiß nicht,“ verſicherte ſie, zog ſich jedoch zwiſchen den Sopha und Theetiſch, während ſie dem Docs tor winkte, geradeüber Platz zu nehmen.„Wiſſen Sie was Herr Doctor,“ ſagte ſie freundlich,„ich habe auch ſo eine kleine Belohnung für Sie; Sie ſollen ſie in einer Weile ſehen dürfen.“— Nun kam Frau von Horſt herein, und ſie verbrachten einen der drei glücklichen Abende in der Woche zuſammen, ohne welche der Doctor die übrigen vier nicht aushalten konnte.
Als ſie ſich trennen ſollten, fragte Klein:„Nun, Waldemar Klein. 2


