Prufungszeit noch beſonders gegen uns bewieſen haben, ſo weiß ich, daß dieſe nicht vergolten, jene aber nur ge⸗ fühlt, nicht ausgedrückt werden kann.“
Nach dieſer vorbereitenden Einleitung, welche in Frau von Horſts Gedanken ein non plus ultra von Feinheit war, übergab ſie Klein ein zuſammengelegtes Papier, in der Gewißheit, daß er die Summe, die es einſchloß, ſehr freigebig für ihre Umſtände finden würde, worauf ſie ziemlich beſchämt das Auge niederſchlug, um nicht ſeine Ueberraſchung zu ſehen. Aber da der Doctor ſeine Hand ausſtreckte, um auf der Seite bei ihr etwas aufzu⸗ heben, konnte ſie nicht umhin, aufzuſehen, und der Blick, der da dem Ihrigen begegnete, drückte Alles Andere eher aus, als Erkenntlichkeit. Ein langes, unbehagliches Still⸗ ſchweigen trat ein.
Klein ſah deutlich ein, daß Frau von Horſt ſich der Doctorsgebühr nur als eines anſtändigen Vorwandes bedienen wollte, um ihm zu erkennen zu geben, er mochte mit ſeinen Beſuchen aufhören. Er bedurfte einige Minuten, um ſich nach einer ſolchen Ueberraſchung zu be⸗ herrſchen.
Er hatte mit Unruhe und Erſtaunen das Papier geöffnet, aber als die Bankzettel ihm entgegenſtrahlten, ließ er ſie beſtürzt auf den Boden fallen, und es war
in dieſem Augenblick, daß er und Frau von Horſt etwas tisfer als vorhin in ihre Gedanken und die Beweggründe
hrer Handlungsweiſen ſahen. Sie ihrer Seits fand durch dieſen einzigen Blick, den ſie wechſelten, daß ſie
einen großen Verſtoß begangen hatte, und daß ſie klüger
daran gethan hätte, die Sache ihren Gang gehen zu laſſen;„aber,“ wandte die mütterliche Sorgfalt ein,„wer kann es wagen, auf die Möglichkeit ſo ungewiſſer Hoff⸗ nungen hin, die Ruhe ſeines einzigen geliebten Kindes auf's Spiel zu ſetzen? Ich bin begierig„wie es jetzt enden wird; das Stillſchweigen mußte einmal gebrochen werden.“
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