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Waldemar Klein : schwedische Original-Novelle ; drei Theile / von Flygare Carlén
Entstehung
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Ueberblick neue Blumen auf altem Zeuge zu ſein ſchienen, ganz einfach, ein zunehmendes Alter und die damit ver⸗ bundene Gebrechlichkeit durch die Geſchicklichkeit verbargen, mit der ſie angebracht waren.

Mitten zwiſchen zwei großen Spiegeln, unter denen vergoldete, dreibeinige Tiſche und Marmorplatten ſtanden, hing das Portrait des ſeligen Kapitains von Horſt, ſo wie die ſeiner zwei ebenfalls hinübergegangenen Soͤhne. Alles ſprach hier leiſe von längſt vergangenen, beſſern Tagen; aber in dem Ganzen lag ein Ton von Ordnung und ruhiger Heiterkeit, der dieſen Aufenthalt für die wenigen Freunde, mit denen Frau von Horſt umging, äußerſt behaglich machte. Frau von Horſt war eine Dame,

die es verſtand, auch in ihren trüben Tagen eine gewiſſe freundliche Würde, einen Anſtand beizubehalten, der ſie wohl kleidete; und Mancher verſicherte noch aus ſeiner Erinnerung, daß wenige Frauen mit mehr Geſchmack am Tiſche oder im Galon aufzutreten wußten, als Frau von Horſt, zu der Zeit, als ſie und ihr Gemahl noch in der großen Welt lebten. Aber ſchon mehr als zehn Jahre hatte das jetzige einſame Leben fortbeſtanden. Fran von Horſt hatte in hohem Grade den Wechſel des Glückes erprobt. Der Tod ihres Mannes und der ihrer Söhne folgten dicht aufeinander. Die Sachen ſtanden nicht zum Beſten, und es blieb ihr nur eine knappe Penſion, nebſt dem kleinen Hauſe und Baumgute übrig. Sie war je⸗ doch heiter unter ihren Bekümmerniſſen; denn es blieb ihr noch ein Kind. Dieſes einzige Kleinod, das ſie aus dem Schiffbruche ihres Glückes gerettet hatte, war eine gute achtzehnjährige Tochter, welche nun ihren Stolz und ihre Hoffnung ausmachte.

Marie, ſagte die Mutter, während ſie ihren Strickſtrumpf wieder aufnahm, und nach der Seite des Zimmers hinüber blickte, wo das einnehmende Mädchen, das holdſeligſte und lieblichſte Weſen, an einem Tiſch ſaß, und, das Köpfchen auf die Hand geſtützt, mit der andern gedankenvoll das Blatt in einem Buche wendets,