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Die Hauben zeigten in ihrer Art, denn Hauben haben
auch ihre Art, mehr oder minder Bekanntſchaft mit Ge⸗ ſchmack und gutem Ton. Die meiſten waren mit Bän⸗ dern, Spitzen und Blumen überladen; aber ein oder das andere Häubchen verrieth durch ſeine unverkennbare Hal⸗ tung etwas Nobles, welches ihm nicht einmal die in's Silbergraue fallende Blondengarnirung benehmen konnten. Es war augenſcheinlich, daß ſich dieſe Hauben bereits in anderen Geſellſchaftskreiſen umgeſehen hatten, denn man ſah es ihnen an, daß ſie ſich etwas in Verlegenheit befanden und ſich fremd an dem Orte fühlten, zu welchem ſie durch das beſtändig ſteigende Gleichheitsſyſtem degra⸗ dirt worden waren.
„Werden wir denn die liebe Liſa gar nicht zu ſehen bekommen?“ fragte die Primadonna der Geſellſchaft, die vierſchrötige, ſtrahlende Frau S....., deren Mann ein, nur von Vornehmen beſuchtes Weinhaus hielt. Die Frau Kellermeiſterin wußte, daß ſie ſowohl ihres Reich⸗ thums halber, als auch wegen ihrer höhern Würde im Allgemeinen die Tonangeberin war. Deßhalb hielt ſie es auch für ſchicklich, die erſte Frage wegen der Braut zu thun. „Ach, liebe, herzige Frau S..... ich kann Ihnen gar nicht genug danken für die Ehre und das Vergnü⸗ gen, die Sie uns angethan, an Liſa's Ehrentag uns mit Ihrer Gegenwart zu beglücken— ſo eine lieber, rarer Gaſt— Lucie wird im Augenblick kommen!“ Nach dieſen Worten wiſchte ſich Frau Norman, noch glühend von den Anſtrengungen des Vormittags, unter beſtän⸗ digem Wedeln, die Schweißtropfen von dem fetten Ge⸗ ſicht und citirte ihre Alles in Allem, die Hofmeiſterin, zu ſich.
„Liebe Malla, kommt denn Lucie noch nicht?“ Dies war für die dienſtfertige Frau Malla Fogelquiſt ein Wink, die langſame Braut zum dritten Mal an baldiges Erſcheinen zu erinnern.—


