nicht ſagen; aber es iſt ja kein Schelmenſtuͤck!— und ach du lieber Gott, als das junge Blut neulich hier war—“„hier war?“ fiel ihm Luiſe raſch in das Wort; Balthaſar hatte Fritzens Namen nicht ge⸗ nannt, aber ihr Herz hatte ihr verrathen, von wem die Rede war, und alles Blut flog ihr in das Ge⸗ ſicht, und ein froͤhlicher Lichtblitz fiel mit wohlthnen⸗ der Erwaͤrmung ihr in die noch vom Wiſchwill'ſchen Thee eiſig durchkaͤltete Marmor⸗Bruſt.
„Er hatte es,“ fuhr Balthaſar ſort, und freute ſich der ſichtlichen Wirkung ſeiner heilbringenden Botſchaft.„Er hatte es nicht langer aushalten koͤnnen. Nur einmal ſehen hat er Sie wollen. Was habe ich ihm nicht zugeredet, doch gerade zu, offe⸗ nen Weges, zur Mama zu gehen, die ſich gewiß freuen werde, einen fruͤheren Bekannten des Hau⸗ ſes zu ſehen, aber dazu war er ſchlechterdings nicht zu bewegen. Er habe,“ ſagte er,„unſerm Herrn Wirklich die Hand darauf gegeben, Ihnen nicht zu ſchreiben. Sehen und ſprechen ſey aber zehen Mal mehr noch als bloßes ſchreiben. Daher ſchiene es ihm mit ſeinen Grundſaͤtzen nicht recht vertraͤglich, ohne Papachens Vorwiſſen, dem er eigentlich in Wirklichs Hand jenes Verſprechen habe geben muſ⸗ ſen, ſich Ihnen zu naͤhern. Papachen habe jetzt Kummer genug; er wolle ihm ſeinerſeits denſelben nicht vermehren; komme Zeit, komme Rath; blei⸗
ben Sie nur ſo, wie ſonſt, ſo moͤchte die ganze Erde
bankerott werden, ihm ſey das Alles dann völlig einerlei.“
„Wann, wann war er denn hier?“ fragte Luiſe, und ihr ganzes Geſichtchen hatte ſich, waͤhrend des ehrlichen Balthaſars einfacher Rede, rein verklaͤrt, und all' die Bitterkeiten des herben Thee's waren vergeſſen.
„Am Sonntage,“ verſetzte der Silberkopf ver⸗ traulich;„dreißig Meilen weit war er Tag und Nacht gerejſ't, um Sie ein einziges Mal nur zu ſehen. Wie er ſich, nach dem, was er von Ihrer jetzigen Lebensweiſe gehoͤrt, im Stillen berechnet, waren Sie, wann er kam, gerade in der Fruͤhfirche.


