Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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eindringlichen Weſen einen jugendlichen Anſtrich zu verleihen. Sein kleines Barett ließ die mit kurzem, dickem, ungekräuſeltem, aber rabenſchwarzem, glänzendem Haar bedeckte Stirne gänzlich unbedeckt, eine Stirne, auf welcher die Zeit ihre Spuren eingegraben hatte, denn ſie war in einer Falte über den Augbraunen gerunzelt, und tiefe Fur⸗ chen kreuzten ihre breite, aber nicht hervortretende Oberfläche. Jene Stirnrunzel verkündete ein jähzorniges Temperament und die Ge⸗ wohnheit ſtrengen Kommando's; jene Furchen erzählten von tiefem Nachdenken und einem intriguirenden Geiſte, die eine blos Tempera⸗ ment und zufällige Umſtände, die andere, edlere, den Charakter und die Geiſteskraft verkündend. Das Geſicht war vierkantig und der Blick löwenähnlich; der Mund, klein und ſogar ſchön im Umriß, bekam durch ſeine ausnehmende Feſtigkeit einen düſtern Ausdruck, und das Kinn— breit, maſſig und wie in Eiſen gebunden— gab Zeugniß von einem hartnäckigen, erbarmungsloſen, entſchloſſenen Willen; es war ein Kinn, wie es unter Thieren dem Tiger, unter Menſchen aber dem Er⸗ oberer zukommt— ein Kinn, wie es an den Bildern eines Cäſar, Cortes oder Napoleon hervortritt.

Seine ganze Erſcheinung war wohl darauf berechnet, die Be⸗ wunderung der Frauen nicht minder, wie die Scheu der Männer zu erregen. Aber keine Bewunderung miſchte ſich in den Schrecken, der das Maͤdchen ergriff, während ſie den Ritter lange und gedankenvoll anſtarrte: der Zauber der Schlange über den Vogel erhielt ſie ſtumm und in eiſiger Erſtarrung. Nie vermochte ſie dieſes Geſicht zu ver⸗ geſſen; oft ſollte es noch in ihrem ſpäteren Leben, am hellen Tage wie in ihren Träumen, vor ihren Gedanken ſpuken.

„Schönes Kind,“ begann der Ritter, von ihrem hartnäckigen Anſtarren endlich ermüdet, während jenes Lächeln, wie es Solchen, die an das Befehlen gewöhnt ſind, eigen iſt, ſeine Stirne ſänftigte und ſeine Lippen die angeborene Schönheit wiedergab,„ſchönes Kind, laß Dir von Deiner grämlichen Ahnfrau nicht ſo unhöfliche Lehren, wie den Haß gegen die Ausländer, aufheften. Wie Du zur Jungfrau