Heft 
(2025) 1/2025. Dezember 2025
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7

weise nicht zugänglich ist, war es ein besonderes Privileg mit Jan Kaplon, den Leiter der Ausstellung persõnlich zu erleben und seinen Ausführungen zu lauschen.

Vor unserem Besuch des ehemali- gen Konzentrationslagers Auschwitz IIBirkenau warnten uns Matthias und Aexander eindringlich: Die Pin- drücke dort würden noch überwälti- gender sein. Ich hatte die Holzba- racken im Kopf doch auf das unvorstellbare Ausmaß des Gelãndes war ich nicht vorbereitet. Es verdeut- lichte noch einmal die industrielle Systematik und den absoluten Wahn- sinn des Holocaust. Da wir aus organi- Satorischen Gründen nur drei Stunden Zeit hatten, bewegten wir uns zügig über das riesige Gelände, um nur ei nen Bruchteil des Lagers sehen zu können. Unsere Begleiterin versorgte uns mit weiteren Informationen und beantwortete geduldig unsere Fragen.

Neben den Besuchen der Konzen- trationslager war die Zeit auch ge- prägt von Begegnungen: Fine Stadt- führung durch die Altstadt und ein Besuch im Jüdischen Zentrum Oswie- eim rundeten unseren Aufenthalt ab.

Am letzten Abend in Oswiecim, wie auch an jedem Abend der Reise, kamen wir zu einer Aussprache zu sammen. Mir hat es immer wieder sehr geholfen, das Erlebte in einem ge- schützten Raum nachzubesprechen und meine Gedanken mit den anderen zu teilen.

Nach vier intensiven Tagen pack- ten wir unsere Koffer und reisten wei- ter nach Krakéw. Dort bezogen wir

unser Hotel direkt im Zentrum von Kazimierz, dem ehemaligen jüdischen Viertel Krakaus. Teresa Ostrowska führte uns mit beeindruckendem Wis- sen durch die engen Gassen von Kazi- mierz. Ich hatte das Gefühl, dass sie je- den Stein dieses Viertels kenne. Sie teilte ihr Wissen über die jüdische Ge- Schichte Krakaus, das Leben während der NS-Zeit und die aktuelle politi- Sche Situation in Polen mit uns offen und uneingeschränkt. Am folgenden Tag führte sie uns durch das ehemali- ge NS-Ghetto. Dieser Teil der Reise ergänzte unser Wissen über das jüdi- sche Leben und die Anfänge des Zweiten Weltkrieges in Polen.

Gespräch mit Holocaust-Uberlebender

Finen besonderen Höhepunkt bil- dete das Treffen in Krakau mit Anna Janowska-Cioncka, einer Shoah- Uberlebenden. Sie erzählte uns auf sehr eindrückliche und berührende Art und Weise ihre Familiengeschich- te. Wieviel Kraft es kostet, als unmit- telbar Betroffene mit fremden Men- schen über die Shoah zu sprechen und dies gegenüber einer deutschen Reisegruppe zu tun, jst kaum vor- stellbar. Ich bin Anna Janowska- Cioncka von Herzen dankbar, dass sie diese große Anstrengung auf sich ge- nommen hat und sich auch unseren Fragen stellte.

Im Flugzeug auf dem Rückweg nach Hause dachte ich an ein Ge- spräch mit einem Teilnehmer zu Be- ginn der Reise. Er hatte mir erzählt, dass er bereits mehrfach an dieser Stu-