Heft 
(2003) 2/2003. Dezember 2003
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9

Zu einem Vortrag von Ernst Klee in Bad Nauheim

Strategien der Verharmlosung von NS-Verbrechen

Als eine einzige Lügenmaschinerie bezeichnete Ernst Klee die Entnazifi- zierung der NS-Täter, Mitläufer und Zuschauer. Aus jedem Verbrecher wurde ein Helfer gemacht. Die Opfer blieben auch nach 1945 allein, mit ih nen wurde nicht getrauert, sie wurden Sogar weiter verhöhnt, während die- 6* hofiert wurden und ihre Karrieren fast bruchlos weiterführen konnten und ihr verbrecherisches Tun im Drit ten Reich von der Bundesrepublik bei der Bemessung von Renten- und Pen- sionsbezügen anerkannt wurde.

Abgewiegelt wurde dagegen bei den Entschädigungen der Opfer. S0 wurde beispielsweise die Gruppe der Euthanasie-Opfer nie offiziell als Ent- schädigungsopfer anerkannt. Die ver- antwortlichen Täter wurden dagegen nach dem Krieg fast alle Professoren.

Wer aber Täter ehrt, der mordet die Opfer ein zweites Mal, ist die Quintes- senz der von Ernst Klee seit Jahrzehn- ten in vielen Publikationen vorgeleg- ten Forschungsarbeiten.

Wie er es aushalte, immer wieder mit dieser deprimierenden Erkenntnis konfrontiert zu werden, wurde er am 26. November bei einer Veranstaltung der Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer in Bad Nauheim gefragt. Es sind die Opfer, antwortete Klee, denen er sich bei sei- nen Arbeiten venpflichtet fühlt. Im Meer der Lügen müsse es Stimmen geben, die sich dagegen wehren ihnen die Würde als Opfer abzusprechen.

Strategien der Verharmlosung von NS-Verbrechen lautete so der Titel von Ernst Klees zweiten Auftritt in der Wetterauer Kurstadt, nachdem sein er-

Ernst Klee bei veinem Vortrag am 26. November 2003 im alten Rathaus Bad Nauheim.