26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
den und der Untergrundarmee Unter- schlupf. In seinen Worten:„Das Haus in der Siemiradzkiego 2 wurde bis zum Ende der Besatzungszeit für mich zur Zufluchtsstätte, zur Ausgangsbasis für die konspirative Tätigkeit und gleich- zeitig zu einem Ort, an dem ich viel Her- zenswärme und echte menschliche Freundschaft kennenlernte.“
Auch bei der Schilderung einzelner Militäraktionen in den Jahren 1943 bis 1945 erweist sich die Stãrke dieses Bu- ches. In den persönlichen„Porträts“ der Mitstreiter, Kameraden, Helfer und Zeitgenossen treffen die Leser abermals Menschen mit Namen: sie erfahren Hintergründe der jeweiligen Lebensgeschichten, die militärisch knapp zum Verstäãndnis der Gescheh- nisse eingeblendet werden.
Auf Auschwitz selbst kommt Albin nur mehr in vier kurzen Kapiteln ins- gesamt weniger als 40 Seiten— des zweiten Teils zurück. Diese Kapitel al- lerdings haben es in sich: Sie bringen, zum Teil nachträglich recherchierte und wissenschaftlich bestãtigte. Infor- mationen über die„Widerstandsbewe- gung im Lager“,„Flüchtlingsschicksa- le“ und das„Vorgehen der Lager- Gestapo“. Im wesentlichen aber schil- dert Albin seine fast zweijährige Di- versionstãtigtkeit mit Kampfeinsãtzen in Krakau als Soldat, Fähnrich und schließlich Offizier der Landesarmee AK. Hier scheint noch nicht das letzte Wort gesprochen. Albin merkt zu die- sem Thema am Ende seiner Abhand- lung lapidar an: Am 19. Januar 1945 wurde die Landesarmee AK auf gehei- men Befehl Leopold Okulickis, Deck- name Niedzwiadek“, aufgelöst. Die Bitternis der Niederlage dieser herrli-
chen Idee, der wir unsere besten Jahre und Zehntausende von Patrioten ihr Leben geopfert haben, tragen wir bis heute in unserem Herzen.“ Deutlicher ließ es sich wohl zu Zeiten der Erst- auflage(1989) nicht sagen, in welch unglũckselige und tõdliche Auseinan- dersetzung zwischen Alliierten, polni- scher Exilregierung, Sowjetunion so- wie polnischen Kommunisten der eigenständige polnische Widerstand der Landesarmee und der Gruppen im Lager Auschwitz geraten war und sich bewegen musste. Der Warschauer Auf- stand, der am 1. August 1944 aus- ge- brochen war und nach 63 Tagen mit der Kapitulation der Aufständischen endete, bietet ein trauriges und er- schreckendes Beispiel für die Ohn- macht von Widerstandshandlungen, die der von Stalin betriebenen Sowje⸗ tisierung Polens entgegenstanden.
Das Buch Kazimierz Albin ist nach- drücklich zu empfehlen. Nicht nur die polnische Geschichte, sondern auch die Geschichte Europas und damit die deutsche Geschichte wird besser ver- ständlich, wenn heutige Zeitgenossen zur Kenntnis nehmen, dass die Polen- wie die Deutschen zwar von fremden Armeen befreit worden sind, im Unter- schied zu den Deutschen, sich aber auch selbst haben befreien können. Dem polnischen Widerstand, dem mi- litãrischen wie dem zivilen, den Opfern, den Joten und Uberlebenden setzt Al bin mit seinem Werk ein Denkmal.
Kazimierz Alhin, Steckbrieflich gesucht, Stautliches Museum Ausch- wil? Birkenau, Oswiecim 2000(tann direkt bei der Lagergemeinschuft(sie- he Impressum) bestellt werden).


