Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11
Coen Rood war Zwangsarbeiter in der deutschen Rußfabrik Gleiwitz Die Kraftreserven waren bald„abgearbeitet“ Alle vier Monate wurde die Lagerbevölkerung fast völlig ausgewechselt Im Spãtsommer 1944 arbeiteten im Deutschen Reich 5,9 Millionen Ausländer als Zwangsarbeiter. Zu ihnen gehörte Coen Rood, ein niederländischer Jude, den
die SS 1942 aus Amsterdam verschleppte. Der 24-jährige mußte beim Aufbau der Rußfabrik Gleiwitz mithelfen. Die Fabrik wurde zur Produktion von Ruß für Au-
Orien errichtet und gehörte zum Degussa-Konzern. Seine Erinnerungen an drei
Jahre Zwangsarbeit notierte der heute in den USA lebende Rood gleich nach 1945. Für das noch unveröffentlichte Manuskript versucht die Literarische Agentur Brigitte Axster aus Frankfurt einen Verlag zu finden. Die Ubersetzung besorgte Kristin Ruppert. Wir danken Agentur wie Coen Rood für das Finverständnis, ei-
nige Passagen abdrucken zu dürfen. Coen Rood notierte:
Die Zivilarbeiter kommen nicht zur Baustelle. Sie bleiben immer noch wegen der Typhusgefahr fern. Wir haben keine Wahl- wir müssen hingehen, wo die Auf- scher uns hinführen. Willie ärgert uns nicht soviel wie manche anderen, er treibt uns nie an. Herbert, das Großmaul, ist auch nicht so verkehrt, solange er rum- schreien kann. Solange wir die Arbeit verrichten, behandeln uns die Männer ei- nigermaßen anständig. Nach dem 1. Mai
6 wir uns um die Reparaturen der
Maschinen kümmern. Zuerst haben wir die Gebãude errichtet, dann haben wir die Maschinen aufgestellt und montiert, jetzt sind wir zu Reparaturexperten aufgestie- gen. Die Maschinen und Pressen gehen ständig kaputt, meistens aufgrund Sabo- tage unsererseits. Manchmal dauert es mehrere Tage, bis wir sie wieder repariert haben. Oft arbeiten wir 48 oder 60 Stun- den am Stück. Die deutschen Mechaniker machen Frühstückspausen oder legen sich mal aufs Ohr, so gut haben wir Hãäft-
linge es nicht. Warum sollten wir auch Pausen machen- wir haben eh nichts zu essen. Das erste Mal, als wir so lange re- parierten, marschierten wir zur Essens- Zeit zum Lager, doch wir durften nicht rein. Der Lagerführer wollte für sechs Männer kein Essen bringen lassen, und wir mußten weder zum Appell noch zum Essen erscheinen. Solange wir an der Ar- beit gemeldet sind, können wir bleiben, bis die Reparatur erledigt ist. Schlafent- zug ist unsere größte Gefahr. Nickt man während der Arbeit ein, besteht die Ge- fahr, dass man vom Gerüst in einen der Aufzugschächte fällt oder in die riesigen Trichter der Maschinen im dritten Stock. Wir stoßen einander häufig an, um uns wach zu halten.
Dort oben auf dem Gerüst stellen wir uns Essen vor, bereiten Gerichte zu und prahlen mit den schönsten Mahlzeiten, die wir je gegessen haben. Hartogzoon, der in Deutschland geboren ist, erzählt uns, zu Hause in Deutschland sei alles


