24 Lagergemeinschaft Auschwit?z- Freundeskreis der Auschwitzer
nische Mischung von Baustilen des Mittelalters bis zu denen der Neu- zeit und wäre sicherlich eine eigene Reise wert. Die Menschen sind im Gegensatz zum Land auffällig west- lich gekleidet.
Das Judenviertel eher oede und trist. An den Häusern noch alte In- schriften. Ich suche die Juden auf den Straßen und an den zahlreichen Synagogen, doch sie sind nicht mehr da. Von 36 Synagogen und über 60 Gebetshäusern ist noch eine, ihren Zweck erfüllende Synagoge übrig geblieben. Die geschichtliche Di- mension für dieses Land, in dem vor der Teilung Polens im 18. Jahrhun- dert 80 Prozent aller Juden der Welt lebten, wird mir bewußt.
In Oswiecim und im Stammlager
Am nächsten Tag eine Führung durch Oswiecim und seine Altstadt. 12.000 Finwohner vor 1939, davon 7000 Juden, heute noch ein in der Stadt lebender Jude.
Tausende pilgern zur Maximilian- Kolbe-Kirche, um ihr Osterkörb- chen segnen zu lassen und knien vor einem fast schon kitschig anmuten- den Jesusgrab nieder. Eine ein- drucksvolle Darstellung des Kkatholi- schen Glaubens in Polen.
Am Nachmittag Besuch des Stammlagers mit vielen Informatio- nen und persönlichen Geschichten Staszeks. An Block 11 mit dem be— rüchtigten Bunker, in dem die so— wieso schon geschundenen Men- schen noch zusätzliche Strafen erlei- den mußten, und mit der Todeswand für Erschießungen spürt man die in- nere Erregung Staszeks. Als Häft-
ling war er selbst wochenlang im Bunker eingesperrt, seine Kamera- den hat er aber nicht verraten und er überlebte doch. Karin(unsere Reiseleiterin) bricht die Führung ab und geht mit Stas?zek zurück in die Begegnungsstätte. Wir besuchen einzeln und in Kleingruppen die verschiedenen Themenausstellun- gen der einzelnen Länder.
Später erfahren wir, daß Stas?zek über 20 Jahre nicht über seine La- gerzeit Sprechen konnte Mit 17 Jah- ren kam er als'Politischer“? nach Auschwitz und überlebte fast fünf Jahre, täglich den Tod der anderen vor Augen und selbst in ständiger Bedrohung. Die letzten Wochen ver- brachte er bis zu seiner Befreiung in Dachau. Erst als seine Tochter ihn bat, in ihrer Schule den Jugendli- chen über das Lager zu berichten, sprach er über seine Erlebnisse. Seit ein paar Jahren begleitet er auch als Zeitzeuge von Karin geleitete Studi- enfahrten nach Auschwitz und zu anderen Stätten der Nazi-Verbre- chen. Das hilft ihm, das Vergangene aufzuarbeiten.
Vernichtungslager Birkenau
Die beiden Osterfeiertage verbrin- gen wir im Vernichtungslager Bir- kenau. Zu Fuß gehen wir vom Bahn- hof über die Gleise, auf denen die Todeszũge rollten und erreichen das Tor, das jeder als Bild kennt und durch das die Züge voller Menschen zur Rampe fuhren, auf denen sie zum Ermorden'selektiert“ wurden. Bei strahlendem Sonnenschein blik- ken wir vom Wachturm auf ein rie- siges Gelände unvorstellbarem Aus-


