14 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Millionen von Menschen wurden als Arbeitsskalven ausgebeutet Deutscher Staat und Unternehmen verweigern
weiterhin Entschädigung für Zwangsarbeit
Das Sklavenarbeits- und'Vernichtung durch Arbeit“-Programm des nationalsozialistischen Deutschlands war nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Mensch- heit in mehreren Prozessen angeklagt worden. Der Auffassung, daß es sich bei der Zwangsarbeit im Herrschaftsgebiet des Deutschen Rei- ches um das'wahrscheinlich größte Sklavenunternehmen in der Geschichte“- so das Nürnberger Tribunal- handelte, konnte sich die Bundesrepublik nie anschließen. Nicht ohne Grund, denn eine wichti- ge Grundlage für den späteren wirtschaftlichen Aufstieg der BRD wurde von eben diesen Zwangsarbeitern geschaffen, wie die Kampa- gne'Nie wieder? anläßlich des 50. Jahrestages der Urteilsverkündung im Nürnberger Prozeß gegen die Interessengemeinschaft(I6) Farben erinnert. Von den durch Zwangsarbeit ausgebeuteten Opfern wurde
nur ein kleiner Teil mit lächerlichen Geldbeträgen entschädigt.
Im Herbst 1944 arbeiteten zwi- schen neun und zehn Millionen Menschen zwangsweise in Deutsch- land und rund 13 Millionen in den von der Wehrmacht besetzten Län- dern. Der deutsche Staat war größ- ter Nutznießer von Zwangsarbeit, er Setzte die Arbeitssklaven zum Stra- ßen- und Gleisbau, zu Aufräumar- beiten und in der Rüstungsindustrie ein. Zwangsarbeiterinnen und ar- beiter waren überall sichtbar: auf dem Land auf den Feldern und in den Städten. Deutsche aller Schich- ten profitierten von der unmensch- lichen Ausbeutung der verschlepp- ten Kriegsgefangenen und Häftlin- ge. Ungefähr 12.000 Unternehmen jeder Größe beschäftigten Zwangs- arbeiter. In den vergangenen Mona- ten haben sich einige dieser Unter- nehmen durchgerungen, Zahlungen an die wenigen noch lebenden ehe- maligen Arbeitssklaven?u leisten. Für die Mehrzahl der überlebenden
Opfer kommt dies zu spät, die mei- sten sind mittlerweile verstorben, ohne einen Pfennig Entschädigung erhalten zu haben. Und ohne Druck von außen, wãre auch beispielsweise nicht daran zu denken, daß Volks- wagen nun beabsichtigt, einen Pri- vatfonds? zu gründen, um ehemali- gen Zwangsarbeiterinnen und ar- beitern'humanitäre Hilfe“ zu lei- sten; dies ist kein freiwilliges Unter- fangen, sondern das Ergebnis jahr- zehntelanger Proteste.
Die meisten großen Unternehmen verweigern jedoch auch heute noch individuelle Zahlungen. Siemens, Bosch, Mercedes Benz und Bayer, BASF und Hoechst, die Nachfolge- firmen der I6 Farben, sowie viele mittelständische Betriebe verleug- nen ihre historische und moralische Verantwortung mit der Behauptung, die Zwangsarbeiter wären ihnen vom Staat aufgezwungen worden-


