Heft 
(1998) 2/1998. September 1998
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1

Zeitzeugengespräch mit Karl Ulbrich am 2. September, 19.30 Uhr

Eine durch Gegnerschaft zum Nazi-Regime

geprägte Jugendzeit

Karl Ulbrich ist im September Gast beim Monatstreffen der Lager- gemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer. Es findet am Mittwoch, 2. September, um 19.30 Uhr in Frankfurt Main im Haus der evangelischen St. Katharinengemeinde, Wolfsgangstr. 109 statt.

Die Jugendzeit des 1924 in Giers- Mort im Riesengebierge geborenen Karl Ulbrich war geprägt durch die Gegnerschaft der Eltern zum Nazi- Regime. Diese Gegnerschaft ver- heimlichten die Fltern jedoch vor den Kindern, weil sie befürchteten, diese könnten sichverplappern und die Familie in Gefahr bringen.

Politisches Engagement innerhalb der Arbeiterbewegung hat in der Fa- milie von Karl Ulbrich Tradition. Der Urgroßvater nahm am Weber- aufstand teil. Sein Großvater, einst Wandergeselle, baute eine Bau- und Möbelschreinerei auf und gründete in Bunzlau die AOK. Der Vater schlug sich im ersten Weltkrieg aus sibirischer Gefangenschaft nach Deutschland durch und wurde in 0 Mitglied des Soldatenrates.

Von Beruf war Karl Ulbrichs Va- ter Lehrer und in der Weimarer Re- publik war er in Hirschberg Vorsit- zender der SPD-Kreistagsfraktion. Die Mutter war in der Arbeiterwohl- fahrt engagiert. Anfang 1933 wurde der Vater von Karl Ulbrich entlas- sen und die Familie mußte umge- hend die Dienstwohnung räumen. 1935 hatte sich der Vater vor dem Reichsdis?ziplinarhof in Berlin zu verantworten. Gemeinsam mit dem Sohn ging er öfter illegal in die

Karl Ulbrich bei einer Diskussion mit Schülern in Bad Vilbel.

Tschechoslowakei. Erst später er- zählte er, daß auf dem Rückweg Flugblätter insReich' geholt wur- den. Als zum Kriegsdienst ver- pflichteter Soldat hatte der Vater ab 1940 Verbindung zur Widerstands- gruppe des Kreisauer Kreises.

Karl Ulbrich war Schüler der Oberschule(nternat) und es drohte ihm, zur S8 eingezogen zu werden. Um dem zu entgehen, meldete er sich auf Anraten von Freunden frei- willig zur Wehrmacht. Mit 16 Jahren wurde er eingezogen, kam zum'Be- währungseinsatz an die Front und mußte erleben, wie viele Freunde starben. Mit 17 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft.