Heft 
(1996) 3/1996. Dezember 1996
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8 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

CH-8027 Zürich, Seestraße 7

Anlaufstelle für die Suche nachrichtenloser Vermögenswerte bei Schweizer Banken

Fine Recherche von Klaus Konrad-Tromsdorf

Am 15. August 1930 heiratet Fräu- lein Henriette Chambré Herrn Ernst Hahn. Der Standesbeamte der Stadt Lich beurkundet diese Fheschlies- sung unter der Nummer 10/1930. Henriette stammt aus einer jüdi- schen Familie, die seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts in Lich ansässig ist. Ihr Vater, Max, leitet das Manufactur- und Bankgeschäft, das von seinem Vater gegründet wurde. Mutter Emilie, geb. Vöhl, stammt aus Gedern und ist an der Führung der Geschäfte beteiligt. Henriette, 1907 in Lich geboren, ist die älteste Tochter der Familie, sie hat einen 1900 geborenen jüngeren Bruder, Ernst-Ludwig, und eine 1918 geborene Schwester namens Anne- Marie.

Ihr Ehemann, am 28. Februar 1897 in Kassel als Sohn jüdischer Eltern geboren, arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin, er ist Witwer und hat aus seiner ersten Ehe eine Tochter, Inge- Sophie. Inge-Sophie ist zum Zeit— punkt der erneuten Heirat ihres Va- ters vier Jahre alt. Das Fhepaar Hahn zieht nach Berlin und lebt dort in der Litzenburgerstraße 39; am 26. Juli 1933 wird die gemeinsame Toch- ter Monika geboren.

Bereits am 12. März dieses Jahres hat die Licher SA einen Pogrom ge- gen die in Lich lebenden jüdischen Kaufleute durchgeführt. Monikas Großeltern sind besonders schwer

davon betroffen; Großvater Max wird im SA-Lokal'Frankfurter Hof' gefoltert. SA-Männer zertrümmern ihm beide Kniescheiben und fügen ihm Kopfverletzungen zu, von deD nen er sich nie wieder erholen sollte. Die Geschäftsbücher des Bankge- schäftes werden gestohlen. Im Juni flichen Max, Emilie und Anne- Marie Chambré nach Kassel, von dort aus zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn nach Berlin. Sohn Ernst-Ludwig entkommt nach Bel- gien, wohin ihm Vater und Mutter bald nachfolgen. Sie wohnen nun in Morlanwelz, Rue Baume-Marpent Nr. 1. Von Belgien aus müssen sie mitansehen, wie in einem dubiosen Konkursverfahren ihr Licher Ver- mõgen verschleudert wird.

1938— vermutlich kurz nach dem Novemberpogrom- flieht auch die Familie Hahn nach Belgien. Auch sie wohnt in Morlanwelz, Rue du ouen Nr. 41. Kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Jahr 1940 können Ernst-Ludwig Chambré und Ernst Hahn nach Frankreich entkommen. Die restliche Familie bleibt in Bel- gien zurück. Am 7. Juni 1942 werden die Mitglieder der Familien Hahn und Chambré gezwungen, den Ju- denstern zu tragen, zwei Monate Später werden Max Chambré, Emilie Chambré, Anne-Marie Chambré und Inge-Sophie Hahn von Malins nach Auschwitz deportiert. Henriette