Heft 
(1996) 1/1996. März 1996
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9

zum überwiegenden und deprimie- rend großen Teil aus Mitläufern zu bestehen schien.

1964, als Zeuge im Frankfurter Auschwitz-Prozeß, sprach Hermann erstmals über selbst erlebte Situatio- nen in Auschwitz. Im Prozeß mußte die Verhandlung einmal unterbro- chen werden, weil er beim Anblick der unmittelbar vor ihm sitzenden chemaligen Herren über Leben und

od, den Herrenmenschen von der SS-Lagermannschaft, einen Angst- und Weinkrampf bekam. Vielleicht war es seine schwierigste Lebensauf- gabe nach Auschwitz, sich den Demü- tigungen der KZ-Haft ganz konkret wieder zu stellen.

Er hat diese Aufgabe dann immer wieder auf sich genommen. Mit den Menschen seiner Generation hatte er jedoch bis an sein Lebensende

Schwierigkeiten, weil er sich immer fragte, was haben die damals im Tau- sendjährigen Reich gemacht. Anders war es mit den'Nachgeborenen. Ih- nen gab er bereitwillig Auskunft über

seine Empfindungen und'seine Ge- schichte in Auschwitz. Daß jeder Verantwortung für sich und die Si- tuation seiner Zeit zu übernehmen hat, dies seinen Zuhörer und Zuhö- rerinnen zu verdeutlichen, das war Hermann Reinecks großer Lebens- wunsch.

Nicht für eine Karierre, sondern für die Freiheit, habe Hermann gear- beitet, sagte sein Freund Janusz Mly- narski bei der Trauerfeier. Bei aller Aufklärungsarbeit hat Hermann auch nicht die materiellen Nöte vergessen, in denen viele ehemalige KZ- Häftlinge und ihre Familien leben mußten. Die Lagergemeinschaft hat jahrelang Lieferungen mit Hilfsgü- tern zusammengestellt und sie an Hãftlingsverbãnde, vor allem nach Polen, geschickt. Darüberhinaus stand im Mittelpunkt von Hermanns Arbeit auch immer die Forderung nach einer Entschädigung für alle Opfergruppen Nazi-Deutschlands.

Um die Art und Weise von Her-

manns Arbeit und Leben nach der 6

In der Gedenkstätte im chemaligen Stammlager vor Block 25