Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Das Brett vor dem Kopf
EFin Brett vor dem Kopf
kann mir keiner schlagen.
Manche legen mir Steine in den Weg,
die räãume ich fort, oder steige darüber,
oder ich strauchle:;
dann aber lache ich dem Steinleger ins Gesicht. Manche legen Schlingen,
die sind gefährlich und tun weh,
aber man kann über Schlingenleger auch lachen, und es ist das Beste zu lachen,
wenn man unter den Schlingenlegern steht. Manche stoßen einem mit dem Ellbogen,
es gibt auch solche, die mit den Füßen treten, da stoße ich- wider Erwarten- nicht zurück, da trete ich- wider Erwarten-nicht zurück, da ziche ich meine Flephantenhaut über
und lache.
Aber manchmal wird man krank,
80 Krank, daß man nicht mehr lachen kann, S0 krank, daß die Elephantenhaut,
ganz weich wird und nicht mehr schützt,
da schreit man auf,
Stürzt man über Steine,
geht man in die Schlinge,
Stõßt einer mit den Ellbogen,
tritt einer mit den Füßen;
ich kann nicht lachen;
ich bin krank;
anderenorts schreien und brüllen die Leute und jagen einander zu Grab,
sie vernageln die Fenster und verrammeln die Tür, aber das Grauen steigt ihnen
durch den Kamin in die Stube.
Da vemageln manche ihr Hirn,
dann können sie wieder lachen:
ich bleibe lieber krank
und kann nicht mehr lachen,
aber ein Brett vor dem Kopf lasse ich mir nicht schlagen.
Hermann Reineck 1950


