Heft 
(1995) 2/1995. August 1995
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2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Veranstaltung am Mittwoch, dem 4. Oktober, im Laubach-Kolleg

Stadtplanung der Nazis am Beispiel Warschau

Das auch für Nichtmitglieder of- fene Treffen der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Au- schwitzer wird am Mittwoch, dem 4. Oktober, Beginn 19.30 Uhr, wieder unter einer besonderen Thematik stehen. Es wird der Film War- schauer Leben von Alfred Jung- raithmayr über Video gezeigt. Dar- gestellt werden die städtebaulichen Vernichtungspläne der Nazis für Warschau unter dem Motto'Abbau der Polen-Stadt?.

Die seit Jahrhunderten als Paris des Ostens bekannte europäische Metropole sollte zu einer Distrikt- stadt mit weniger als 10 Prozent der Bevölkerung von 1939 umgewandelt werden und'deutsches Gepräge erhalten. Der Stadt wurde noch ein Verkehrsknotenpunkt zugebilligt, und die Altstadt wurde als 'deutsch' reklamiert und sollte die angebliche Kontinuität der deut- schen Besiedlung aufzeigen. Ein neues Regierungsviertel sollte den Adolf-Hitler-Platz? einrahmen. Die Nazistadtplanung sollte polnische Identitãt vernichten.

In dem Dokumentarfilm von Al- fred Jungraithmayr kommt auch Hubert Groß als der damalige Nazi- planer zu Wort. Er hatte die Neuge- staltung der»Gauhauptstadt vor- zunehmen. Die jetzt vorgestellten Dokumente tragen das Datum 6. Fe- bruar 1940 und den bezeichneten Ti- tel'Warschau- Der Abbau der Po-

lenstadt- der Aufbau der deutschen Stadt- das Aussiedeln der Juden?. Der Film ist das Ergebnis von um- fangreichen Recherchen, die der Au- tor gemeinsam mit Barbara Klain angestellt hat. Die wissenschaftliche Arbeit von Barbara Klain erschiei im Junius Verlag unter dem Fitel Vernichtung und Utopie- Stadt- planung Warschau 1939 1945* (SBN 3-88506-223-2, DM 48.). Allerdings gab es parallel zu den Naziplanungen auch städtplaneri- sche Uberlegungen aus dem Wider- stand. Alfred Jungraithmayr bringt die Architekten und Stadtplaner Zygmunt und Halina Skibniewski Sowie Jacek Nowicki und Zaslaw Malicki vor die Kamera. Sie betrie- ben im Untergrund das Atelier für Architektur und Urbanistik und banden auch illegal arbeitende Oko- nomen, Soziologen, Historiker und Bauingenieure ein. Für ihr lebensge- fährliches Tun hatten sie ein befrei; tes und neues Warschau vor augen D Die Teilnehmer des Untergrund- zirkels planten nicht nur im Verbor- genen, sondern sie studierten auch an der Untergrund-Hochschule. Die Kriegs- und Gestapo-Realitãt schafften sehr schnell Gegenfakten. 1943 wurden ein Fünftel der bebau- ten Fäche Warschaus, das jüdische Ghetto, ausradiert und über 300.000 jüdische Bewohnerinnen und Be- wohner der Stadt wurden zur Ver- nichtung abtransportiert. Beim Auf-