Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1
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Gedanken zu den Veranstaltungen anläßlich des 50. Jahrestages
der Befreiung von Auschwitz R von Manfred Keitel
Anläßlich der Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Konzentrations- lagers Auschwitz wurde über Juden, politische Häftlinge, Sinti und Roma, lso den Menschen, die in den Lagern ermordet wurden, gesprochen. Ich
laube, daß die meisten dieser Veranstaltungen in Frankfurt, an denen ich als Fahrer eines Flektrofahrstuhls in Mainz nicht teilnehmen konnte, gut besucht waren. Fin Beweis, daß sich mehr Menschen endlich stärker mit dem Thema auseinandersetzen und bereit sind zu lernen.
Dennoch blieben andere Opfer des 1000 jährigen Reiches- die Aso- zialen“, Behinderten, Homosexuellen, Bibelforscher, Psychatriepatienten- im Hintergrund beziehungsweise im Dunkeln. Bei der Zahl der Opfer und den grauenvollen Dimensionen der Verbrechen ist das nur zu verständlich. Doch ein halbes Menschenalter'danach' kann nicht verborgen bleiben, welche Personen'desinfiziert“ wurden, da sie zum Teil durch ihre bloße Existenz eine Bedrohung für den Volkskörper? darstellten.
Meiner Meinung nach hat das Verdrängen immer noch handfeste Grün- de, die nicht alleine in der'geringen“ Zahl dieser Opfer zu finden ist. Denn der gute Mensch ist nun nicht einmal'asozial“, behindert oder chronisch krank, homosexuell oder einmal in der Psychatrie gewesen. Die richtig guten Menschen sind auf keinen Fall behindert, sondern normal, sozialver-
6 und sorgen mit ihren Familien für Umsatz in der Wirtschaft. Das st das Bild, das uns täglich vermittelt wird: Wenn wir den Fernseher ein- schalten, an Plakatwänden vorbeispazieren, mit Menschen reden.. Das alles, und noch einiges mehr, halte ich für beDENKlich!
Als behinderter Mensch in einer nichtbehinderten Gesellschaft kann ich mich natürlich am besten mit manchen anderen behinderten Menschen identifizieren. Vielleicht rũhrt meine Aufmerksamkeit für die'vergessenen Verfolgten?(Klaus Scherer), die sich noch nicht rehabilitieren konnten, gerade daher, daß ich selbst einer randständigen Minderheit angehöre. Was mich aber besonders beunruhigt, ist die die Tatsache, daß Gewalt gegen Behinderte nur zu 11 Prozent von Rechtsradikalen ausgeht(Forum gegen Gewalt an behinderten Menschen). Denn das Bewußtsein'behinderte Menschen sind schlechte Menschen' ist in vielen Bereichen Allgemeingut.


