2 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Helmut Ulshöfer und William Emker werten Briefe an Hitler aus
Blicke in die deutsche Seele Liebesbriefe an„Schatzerl“ Adolf
Liebesbriete an Hitler oder„Blick in die deutsche Seele 1933 bis 1945* lautet der Titel einer Veranstaltung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundes- kreis. Am Mittwoch, den 4. Mai, werden im neuen Treffpunkt im Zentrum der
Frankfurter St. Katharinengemeinde(Leerbachstraße 18) Helmut Ushöfer 9
William Emker über die Auswertung privater Briefe an den„geliebten Führer' berichten.
Liebesbriefe an das„Schatzerl Adolf', oft versehen mit Häkeldecken oder Lebkuchenherzen, an das„zuckersüße Wölklein“, waren erotische Offenbarun- gen und gaben Einblick in die Lebenslage der Verehrerinnen. Sie fühlten sich als„Vertraute“ und schilderten dem„Herzensmann' detailiert die Umstände ihres Daseins. Teilweise fielen die Beschreibungen so krass aus, daß die NS- Mediziner die Diagnose„psychisch krank' stellten, was oft den Tod durch Euthanasiesrzte bedeutete. Die Briefe stellen aber auch oft Denunziationen dar. Auch Ehepartner waren dabei nach dem Motto„Mein Mann hat ein Ver- hältnis mit einer Fremdarbeiterin? nicht ausgenommen.
Gesammelt hatte diese Briefe die Berliner Reichskanzlei, die außerdem für die oft beiliegenden Geschenke Magazine anlegte. Mehrere Monate nach Kriegsende fielen dem Amerikaner William Emker bei Stöbereien in den Trümmern der Kanzlei Papierberge auf und er brachte 7 bis 10 tausend Briefe in Sicherheit. William Emker, der in Frankfurt als Wilhelm Eucker geboren wurde und als Antifaschist vor den Nazis die Flucht ergriffen hatte, kam nach mehr als vier Jahrzehnten in Kontakt mit dem Soziologen Helmut Ulshöfer. Dieser hatte 1993 schon die Memoiren von Emker herausgegeben und befaßt sich zur Zeit mit der Auswertung der„Liebesbriefe“.
William Emker, der in Los Angelos lebt, weilt im Mai zu Besuch in Frankfurt
und wird sehr wahrscheinlich Helmut Ulshöfer, der bei der Fandtagstraktioni e
der Grünen in Wiesbaden arbeitet, bei seinem Vortrag in der Leerbachstraß begleiten und zur Diskussion bereitstehen. Diethard Stamm
Von dem Videofilm*Rechte Zeiten“- siehe Mitteilungsblatt Nr. 4, Dezember 1992— sind neue Kopien hergestellt worden und kõnnen bei der Geschäftsstelle der Lagergemeinschaft-Freundeskreis in Mün- zenberg gegen eine Spende von 20 Mark angefordert werden.
Außerdem ist bei uns zu erwerben, das wieder aufgelegte Iaschen- buch*Auschwitz. Bericht über die Strafsache gegen Mulka u.à. vor dem Schwurgericht Frankfurt', in dem der Journalist Bernd Naumann den Verlauf des 1. Auschwitz-Prozeßes und seine Hinter- gründe dokumentierte. Das Buch kostet 15 Mark.


