Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1
Wir waren die„Untermenschen“, die anderen, die gehörten einer„Herrenrasse“ an. Diese„Herrenmen- Schen“ mordeten aus purem Vergniigen, und zu Weih- nachten gingen sie heim und ſeierten das Hest der Liebe ind des Friedens. Sie gingen vielleicht zu Frau und Kind, waren liebend und zuvorommend zu ihnen und machten ihnen Geschenke, lind als treusongende Väter ermielten vie ehenſfalls Geschenke. Wie Kann Liehe und Vernichtlung in einer Haut gedeihen? Wie Kann beides in einem Menschen vormanden sein?*
Anna Mettbach(1926- 2015)
Gedanken zu Weihnachten und vielen Dank für Ihre Unterstützung
Liebe Mitglieder, liebe Sympa- thisantinnen und Sympathisanten der agergemeinschaſt und unseres Freun- desKreises der Auschwitzer,
wir hoffen, Sie haben einen guten Jahresausklang gehabt und konnten erholsame Weihnachtstage verbrin- gen. Für das Jahr 2020 wünschen wir alles erdenklich Gute und vertrauen darauf, auch weiterhin mit Ihrer Un- terstützung rechnen zu dürfen.
Um auf Weihnachten zurückzu- kommen: Weihnachten gilt als Fest des Friedens und der Liebe, es ist das große Familienfest in den Ländern, die zum sogenannten christlichen Abend- land gezählt werden.
In dem Bewusstsein, dass Deutsch- land einmal ein Land war, das den Võl- kermord zur Staatsdoktrin erhoben und auch tatsãchlich umgesetzt hat, sei hier an die oben zitierte Aussage der
Sintezza Anna Mettbach erinnert. Sie hat die Verfolgung unter anderem in Auschwit? überlebt. In einer Passage ihres Erlebnisberichts„Wer wird die ndichste sein?“ hängt sie dem Gedan- ken nach, wie viele der Mörder und ih- re Heſfershelfer wohl Weihnachten ge- feiert haben, in den Jahren, als sie ihre Verbrechen begingen.
Auch wenn nicht alle aus„purem Vergniigen“, mordeten, sondern viel- leicht aus reinem Opportunismus oder dem missmutigen Gedanken, dass man diese„Drecksarbeit“ lieber an- deren überlassen hätte, so hat es die übergroße Mehrheit doch getan, ohne von Gewissensbissen geplagt worden zu sein— weder zu Zeiten der NS-Zeit noch spãter.
Und wie wir Nachgeborenen der Täter, Mithelfer und Zuschauer ge— handelt hätten, das wissen wir selbst
* Anna Mettbach: Wer wird die nãchste sein?: Die Leidensgeschichte einer Sin- te?a, die Auschwitz überlebte. Brandes& Apsel 1999.


