Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 335
baum(„Jch aus dem Krematorium Asch wit?“, 2017, S. 69). Erreras Ver- wandten war und ist davon allerdings nichts bekannt. GCohen behauptet zu— dem(wie Eduard de Wind bereits 1046 in seinem Buch„Endstation Aschwilz“, 8. 167), Errera habe während seines Fluchtversuchs einen SS-Mann mit der Schaufel getötet, was wiederum von dem Sonder- kommando-Uberlebenden Daniel Bennahmias und Augenzeugen be- stritten wurde.
Lisa Pinhas teilt Cohens Parstellung in ihrem Buch„4 Narrative of Evil“ (2014, S. 109 f.). Darin ist Errera Leut- nant der griechischen Armee und Füh- rer der griechischen Widerstandsgrup- pe im Sonderkommando, wie auch schon Menasche behauptet hatte. Die Opferzahl steigt bei Sevillias: In seiner Schr ausführlichen und ausgeschmück- ten Darstellung(S. 4042) habe Errera gleich zwei SS-Männer getötet, indem er die Bewusstlosen in die Weichsel warf. Er schließt mit den pathetischen Worten:„Das war die Geschichte von Alhertos Errerus, von dessen Vapfericeit vie wochenlang im Lager sprachen. Er wlr der einzige Gefangene der versuchte zu entommen, der immerhin zwei Melutsche tõtete und etwus mit veinem Lehen Kaufte.“ Sevilias Version folgt auch Photini Tomais in der eingangs er- wähnten Publikation aus dem Jahre 2009, allerdings macht sie aus EFrrera ei- nen Reserve-Offizier.
Der Auschwitz-Uberlebende Heinz Salvator Kounio lãsst in seinem Buch „Pin Liter Sippe lind 60 Grumm Brot“ (2016) den„griechischen Offizier“ E-
rrera erst während des Aufstands am 7. 10. 1 944 flüchten und sterben(S. 92).
Familienangehörigen Erreras ist ei- ne vermeintliche Partisanentätigkeit oder Militärkarriere nicht bekannt, al- lerdings hätte sein Schwager Samuel Fskinatzi den Rang eines Hauptmanns (Captain) geführt. So könnte die Be- zeichnung Albertos als„Officer“,„Cap- tain“ oder„Kapitän“(pei Shlomo Ve- nezia) ein Mythos sein. Helden werden aber nicht nur beim Militãr geboren.
Uber einen griechischen„Ka- pitän“(gemeint ist auch hier offen- sichtlich der militärische Rang„Cap- tain“), der einen Freitodversuch un- ternommen hatte, schrieb bereits im Jahre 1946 der im Krematorium be- schäftigte Pathologe Miklos Nyiszli Folgendes:„Er ist nur unter diesem Namen belcannt. Zu Hause in Athen wr en ein altiver Offizien der Erzie- her der Kinder des griechischen Kö- nigs.“ Alberto Errera hingegen führte einen Lebensmittelladen in Larissa. Offenbar wurde ein anderer Hãäftling unter den schätzungsweise insgesamt 150 griechischen Männern im Son- derkommando„Kapitän“ genannt. Allerdings ist nur im Fall von Joseph Baruch zweifelsfrei belegt, dass er griechischer Offizier war.
Die Herkunft zahlreicher Gerüchte, die sich um Alberto Erreras Person ran- ken, wird sich offenbar nicht mehr ermitteln lassen; aufhalten lassen wird sich ihre Verbreitung auch nicht. Er- reras Heldenmut würde aber auch dann nicht geschmälert, wenn zweifelsfrei erwiesen wäre, dass er in Seiner Heimat weder Offizier noch Partisan war.„


