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(2014) 2014. Dezember 2014
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 39

Sowjetischen Untersuchungskommis- sionen im Jahre 1945 und wie Müller ehemaliger Heizer im alten Kremato- rium des Stammlagers, entging 1946 nur knapp einem Mordanschlag, den sein deutscher Vermieter in Mün- chen-Steinhausen mit einer Bombe geplant hatte. Das Freignis fand sogar Erwähnung in der lokalen Presse. Die Gebrüder Dragon mussten sich im Frankfurter Bahnhofsviertel, wo sie einen Juwelier-Laden führten, Sogar mit Gewalt gegen Angreifer zur Wehr setzen. Der Judenhass war mit der deutschen Kapitulation nicht un- tergegangen, aber er war angepasst worden, oder um mit den Worten des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rex Zu sprechen: Die Peutschen wer- den den Muden Auschwilz nie verzei- hen. Die Revisionisten und Verdrän- ger haben Müller seine Zeugenschaft nie verziehen. Der unbeugsame Mut Filip Müllers, Deutschland nicht den Rücken zu kehren, kann vor dem Hin- tergrund seiner Erfahrungen daher nicht hoch genug gewürdigt werden.

In Memoriam

Müller wünschte sich nichts sehnli- cher, als in Ruhe und Frieden zu le- ben, doch die Erinnerung an seine schrecklichen Erlebnisse verfolgte und belastete ihn gesundheitlich bis zuletzt. Frieden schenkte ihm seine wunderbare Familie, die sich aufopfe- rungsvoll um ihn kümmerte, insbe- Ssondere seine Frau, mit der er 56 Jah- re Zusammen lebte und die ihm nach seinen eigenen Worten die Kraft zum

Weiterleben gab. Ruhe fand er in sei nem trauten Heim und während der Arbeit in seinem großen Garten. Ab- lenkung suchte Hilip Müller durch sein Geigenspiel oder während er klassische Musik hörte. Die Mittei- lungsblätter der Lagergemeinschaft Auschwitz las Müller jahrelang mit großer Aufmerksamkeit. Sein Interes- se am politischen Zeitgeschehen und an der Beschäftigung mit Auschwitz erlosch bis Zuletzt nicht.

Nachdem seine Freunde und Be- kannten aus Auschwit? im Laufe der Jahre an den Folgen ihrer Lagerhaft verstarben, den Freitod suchten oder aus anderen Gründen verschieden, verlor Filip Müller in den let?ten Jah- ren immer mehr den Kontakt zur Au- Bßenwelt. Die letzten acht Jahre seines Lebens, bettlägerig und von Schlag- anfällen zeitweise gelähmt, hielten ihn nur noch die hingebungsvolle Pflege seiner Frau und das enge Ver- hältnis zu seinem Sohn am Leben. Von Historikern und Feinden bereits Seit Jahren tot geglaubt, trotzte der bis zulet?zt geistig rege Müller dem Tod mit seinem unbändigen Willen, Mnhedingt(zu) leben. Einen Monat nach dem Umzug in ein Altenpflege- heim verstarb Filip Müller als dritt ältester der let?ten neun Sonderkom- mando-Uberlebenden im Alter von fast 92 Jahren an einem in Deutsch- land gedenkwürdigen Jag, dem 9. No- vember 2013. Möge die Nachwelt sei- ner historischen Leistungen würdig gedenken. Wir werden sein Anden- ken und sein Vermächtnis in Ehren halten.