Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29
den Ort ihrer Peiniger zurück- kehrte. Da kommt die Aufar- beitung der Nazi-Zeit in Deutschland gut weg-sehr im Unterschied Zu der in Ungarn.
Fva berichtet von ihrer wunderschönen und unbe- schwerten Jugend, als sie so— wohl in der Stadt als auch in der Puszta lebte. Und dann folgt immer abrupt„S0 etwas“: „In der Morgendémmerung des 7. Muli 7d alf der Kampe
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von Alischwilz-Birkenaut wur meine ugend vorhei. Alles wur de mit einer Handbeweglng zunichte ge- macht mit der Handhewegung, durch die Mengele mich auf die eine, meine Flern ind meine Schwester auf die andere Sei- le Schickte.“
Die vielen Brinnerungen an eine Schöne und behütete Kindheit werden immer wieder überlagert von den Taten der Nazis.
Wenn sie von ihrem„Leben vor Auschwitz“ berichtet, erfährt man viele Details aus der Familiegeschichte, der Fahidis„väterlicherseits“- vom Onkel bis zum Großvater Abraham und sei— nen Brüdern, wie auch„mütterlicher- Seits“ von der Familie Weisz. Kiebe- volles mischt sich mit kritischen Personenbeschreibungen und parallel dazu Parstellungen mitten aus dem Le- ben im Porf und in der Kleinstadt. Man erfährt viel vom Leben der Juden in Ungarn. Man fühlt sich beim Lesen ein bisschen dabei, lernt viel über das Judentum in Ungarn und findet vieles idyllisch- wie aus dem„richtigen“ Le- ben. Und dann, mitten in der Idylle und cher kurz beschrieben, die Konfrontati- on mit dem Tod, dem Tod der gerade über das Buch kennen gelernten Perso-
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1990 beim ersten Nachkriegsbesuch in Allendorf
nen und dem Tod in Auschwitz.
Und dann gibt es noch eingeflochte- ne Frlebnisse aus der Gegenwart: Als ca. 50 Jahre nach dem Krieg für eine Entschädigung ein Totenschein benötigt wird, kann er nicht ausgestellt werden, weil der Todesfall- in Auschwitz- nicht amtlich registriert wurde. Aber wenig- Stens bescheinigt die Gemeinde, dass der Großvater„abtransportiert“ wurde und nicht mehr zurückkam.
In diesem Buch ist Auschwitzein Thema neben anderen Themen aus dem Leben„der Auschwitzer“. Und dies macht das Buch zu etwas Besonderem, das durch seine unüblichen Perspekti- ven verstehen hilft. Es ist ein Buch, das viele Emotionen weckt und sowohl für Leute, die sich schon lange mit Ausch- wit? beschäftigen, als auch für junge Menschen, die sich erstmals für den Mas- senmord der Nazis an Stätten wie Aus- chwitz in Polen interessieren, geeignet ist.
Diethardt Stamm
Eva Fahidi: Die Seele der Dinge, Lukas Verlag Berlin 2011, ISBN 9783— 86732-098-6 16,90 Buro


