10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
konnte aber nicht verhindern, dass sein Vater schließlich in die Gaskammern von Birkenau geschickt wurde. Die Verzweiflung des Sohnes über dieses Verbrechen wurde auch nach rund 65 Jahren noch so deutlich, als hätte sich das ganze erst gestern Zugetragen.
Neben den ehemaligen Hãftlingen begleitete auch die Museums Mitar- beiterin Bozena Kaczmarczyk die LGA-Gruppe durch Auschwitz. Sie schilderte die Hinrichtungen auf dem Appellplat?z im Stammlager, wo am 19. Juli 1943 gleich zwölf Männer auf einmal wegen Flucht und Fluchthilfe gehenkt wurden. Einer von ihnen, Janusz Pogonowski, stieß den Sche— mel, auf dem er stand, selber um und zeigte auf diese Weise seinen Wider- stand gegen die SS-Schergen.
Bozena Kaczmarczyk führte die Teilnehmer zu den erschütternden Opferportrãts, die in den Fluren vom
Tadeusz Sobolewicz ist ein eindringlicher Berichterstatter
Block 6 ausgestellt sind. Im Block 7 er- läuterte sie anhand der Schautafeln die menschenunwürdigen Lebensbe- dingungen im Lager. Nächste Station des Rundgangs war Block 11 mit den Todeszellen darunter die Stehzellen, die so eng waren, dass viele Hãftlinge darin erstickten. Immer wieder zitierte Kaczmarczyk aus historischen Quellen einschließlich der Aufzeichnungen von Sefangenen. Es war eine äußerst ein- fühlsame Parstellung der damaligen Breignisse, die sich in ihrer Grausam- keit Kaum in Worte fassen lassen.
In Birkenau schließlich war es Halina Birenbaum, die die Reiseteil- nehmer mit ihren lebhaften Schilde- rungen über alle Maßen beeindruck- te. Eineinhalb Stunden lang stand die heute 78 jährige Jüdin mit der im lin- ken Unterarm eintätowierten Hãäft- lingsnummer 48693 in der Sonne vor dem Block 27 und erzählte ohne Un- terbrechung ihre einstige Leidensge- schichte. Sie überlebte den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und kam dann im Mai ins La- ger Majdanek, wo ihre ge- liebte Mutter ermordet wur- de. Letzere konnte der damals 13— Jährigen noch sagen, sich stets als 17 Jährige auszu-


