10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
keit und seine durch persönliches Schicksal beglaubigte Vorbildlichkeit uns eine lebenslange Verpflichtung.
In seinen letzten Lebensjahren nah- men seine gesundheitlichen Probleme- er besaß nur noch ein Prittel des Magens und hatte mehrere Herzinfarkte über- lebt- immer mehr zu und führten nach immer häufigeren Krankenhausaufent- halten schließlich zu seinem Tode. Am 9. anuar 1996 wäre er 77 Nahre alt ge- worden. Zum Abschied von ihm im Butzbacher Bürgerhaus hatten wir ein- geladen mit den Worten„Wir trauern um einen wahren Menschen?und einem Zitat von Bertolt Brecht:„Wenmn die Bekämpfer des Unrechts ihre verwunt deten Gesichter zeigen, ist die Ungeduld derer, die in Sicherheit waren, groß.“
Groß war die Trauergemeinde. Hermann Reineck war uns Vorbild und
Freund. Mein Leben hat er bis heute entscheidend mitgeprägt: das möchte ich ihm nie vergessen.
Danke, Hermann Dein Freund und Mitstreiter Gerhard
Zum 10. Todestag von Lieselotte Thumser-Weil
Von Ursula Krause-Schmitt
Vor wenigen Wochen hatte ich an- lässlich der Jahrestagung der Lagerge- meinschaft Ravensbrück/Freundes- kreis in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück die Gelegenheit, über das in weiten Bereichen noch immer unzugängliche Gelände zu gehen und mich über die gestalterischen Zielpla- nungen zu informieren. Spätestens im inzwischen in seiner äußeren Hülle re- staurierten, doch im Innern weitge- hend leeren und kalkig geweißten In- dustriehof wurden meine Erinnerun- gen an Lieselotte Thumser-Weil ge- genwärtig: Hier, in der Schneiderei, hatte der SSMann Opitz ihren Kopf auf die Zacken der Nähmaschine ge- schlagen.. Ich erinnerte mich an je— nen kalten Tag im November 1994, als
Lieselotte zum ersten Mal wieder jene Gebäude betrat, um Loretta Walz vor laufender Kamera über dieses brutale Geschehen zu berichten.
Auf dem Weg dorthin wurden ihre Schritte immer langsamer: es schien, als ziehe sie sich immer stärker in sich Selbst zurück, langes Zögern, bevor sie den Fuß in das graugrüne Dunkel setz- te. Das, was als„Kückzug in sich selbst“ erschien, war keine Suche nach Schutz und Halt gewesen, es war die äußerste Anspannung, die notwendig war, um sich erneut dem Erlebten auszusetzen. „Die Seele der Opfer“, so formulierte es Lieselotte einmal,„kennt keine Ver- jährung. Ich erlebe es immer aufs neue, als wäre es heute.“ Diese Qual der Er- inmnerung nahm sie immer wieder auf


