Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 31
also auch der deutschen Soldaten zu ge- denken, schließlich seien sie alle Opfer eines Krieges geworden.(.) Der Bund der Vertriebenen propagiert weiterhin, ein„Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin zu errichten und damit das Schicksal der deutschen Vertriebenen gedanklich in ummittelbare Nähe des Holocaust Mahnmals für die ermorde- ten Juden Europas zu rũcken. Die von Vertriebenenfunktionären gegründete Preußische Treuhand zur Purchsetzung privater Entschädigungsforderungen u.a. gegenüber dem polnischen Staat ist die unverfrorene Spit?e eines„Wir wa⸗ ren alle Opfer“ angleichenden Ge- Schichtsverständnisses.
Der Zentralrat der uden in Deutschland hat die Zusammenarbeit mit der Stiftung Sächsische Gedenk- stätten beendet, weil der sächsische Landtag 2003 ein Geset? verabschie- det hat, in dem die fundamentalen Un- terschiede zwischen den Verbrechen des NSRegimes und Formen kommu— nistischer Willkürherrschaft termino- logisch eingeebnet wurden. Der Vize- prãsident des Zentralrates Samuel Korn sagt dazu:„Diese alle Unter- schiede einebnende Gleichsetzung ist es, wogegen ich mich wende, auch beim Sãchsischen Gedenkstättengeset?. Die- ser Trend ist seit dem Historikerstreit Mitte der achtziger dahre zu beobach- ten, er kehrt immer wieder, und die seither geführten deutschen Selbstfin- dungsdebatten tragen stets dieselben Muster in sich. Es geht dabei offen oder verdeckt darum, den Deutschen einen möglichst gleichberechtigten Opferstatus Zzuzuerkennen. Jedes indi- viduelle Leid, vor allem dasjenige un- beteiligter und unschuldiger Men- schen, ist ohne jede Einschränkung gleichermaßen anzuerkennen und zu
würdigen. Aber bei übergeordneter Betrachtung geht es nicht in erster Li- nie um individuelles Leid, sondern um den großen historischen Zusammen- hang, den gilt es zu wahren, sonst wer- den wir aus der Geschichte keine ob— jektiven Lehren ziehen können.“
Die Täterschaft der Deutschen ver- blasst und wird zielstrebig verdeckt durch die beständige Thematisierung der Opferrolle. Dies wurde im beson- deren Maße in der Diskussion um die Wehrmachtsausstellung deutlich, die nach ihrer Uberarbeitung den Blick von den vielen Tätern in S8S., Polizei- und Wehrmachtsuniform abwandte auf die Wehrmachtsgeneralität und ih- re Befehlsgewalt. Inzwischen wurde die Ausstellung geschlossen und einge- mottet. Der Historiker Wolfram Wette Stellt dazu fest: Als Fazit bleibt die Er- kenntnis, dass es bestimmten Mei- nungsführern in Deutschland immer wieder gelungen ist, die Täter aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein und aus den Gerichtssälen verschwinden zu lassen und die auf Relativierung und Entlastung zielenden Bedürfnisse zu bedienen.“
So geschehen auch mit dem Ge-— denken an den Frankfurter Auschwit?z- Prozess. In der medialen Offentlichkeit hat die Erinnerung an den Prozess nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Dem mit ihm verbundenen Blick auf die Tãter ist heute, wie vor vierzig Jah- ren eine Abwehr zu kKonstatieren, wie sie Martin Walser mit seinem Wort von Auschwitz als„Moralkeule“ zum Aus- druck gebracht hat.(.)
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