Heft 
(1993) 3/1993. Dezember 1993
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1

Zur Tatbeteiliggung deutscher Ingenieure in Auschwitz Wir Standen in der Pflicht?

Die Beschreibung und Erforschung der technischen Seite der fabrik- mãßigen Massentötung von Milionen Menschen in den deutschen Ver- nichtungslagern der NS-Zeit überließen deutsche Historiker Uberwie- gend auslãndischen Fachkollegen. Auch vor kurzem war es ein Brite Gerald Fleming- der sich in den nun zugãnglichen Archiven in Moskau

msah und neue Dokumente fand, die nicht nur die Tatbeteiiqung deut-

cher Ingenieure, sondern auch die Skrupellosigkeit mit der diese ihre Arbeit' rechtfertigten, belegen. Beim Bau und der Instandhaltung der Gaskammern und der Krematorien erwiesen sich die 2ivilen Helfer als willige Werkzeuge der Vernichtungsideologie. Der Spiegel berichtete über den FEund Flemings und verõftenthchte Auszüge in Seiner Ausgabe vom 4. Oktober 1993(Seite 151 bis 162).

Die Anzahl der Publikationen über den Völkermord an den europäischen Juden, den Roma und Sinti Ssowie die tausendfache Ermordung von Kriegs- gefangenen und Zivilisten im Namen des Deutschen Reiches ist in den letz- ten Jahrzehnten zu einer nur schwer überschaubaren Masse angewachsen. Die Vernichtungsmaschinerie mit den industriell betriebenen Todesfabriken, für die der Name und der Ort Auschwitz zum Symbol wurde, ist unter den unter- Schiedlichsten Gesichtspunkten er- 6 und beschrieben worden. Ver-

achlässigt wurde dabei jedoch die Frage, wie die Strategie der Vernich- tung von Milionen von Menschenleben technisch' umgesetzt wurde.

Möglicherweise ist dies mit ein Grund, daßß rechtslastige Vertuscher unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit bis heute ein eigenes Bid der Konzen- trationslager malen etwa in dem 1989 veröffentlichten pseudowissenschaftli- chen Report' des Amerikaners Fred A. Leuchter, der den Genozid in Auschwitz zu leugnen versucht', So der Spiegel in seiner ersten Oktober-Ausgabe 1993.

Der Spiegel weist auf die Beweis- Sammlung, die der französische Ama-

teurhistoriker Jean-Claude Pressac zu- Sammengetragen hat, hin. Pressac, ur- sprünglich selbst Zweifler am Massen- mord in Auschwitz, dokumentierte in jahrelanger detektivischer Spurensu- che zum Beispiel die Bestellung gas- dichter Türen und die Auftragsarbeiten zur Installation der Krematorien. Er er- gãnzte seine Ergebnisse durch Archiv- Studien in Moskau, und publizierte in Pa- ris ein neues Buch(Les crematoires dAuschwitz. La machinerie du meutre de masse CNMRS Editions, Paris).

In Moskau, im Zentralen Staatsarchiv, wurde auch der britische Historiker Ge- rald Fleming fündig. Fleming, Autor des StandardwerkesHitler und die Endiõ- sung', fand sowjetische Verhörproto- kolle, in denen Ingeniuere des Erfurter Brennofenherstellers JA. Topf& Söhne ihre Mitwirkung an der organisierten Massenvernichtung in Auschwitz unum- wunden zugaben. Kurt Prüfer, Fritz Sander und Karl Schultze waren im März 1946 von Untersuchungsoffizieren der Roten Armee verhaftet worden.

Die Traditionsfirma ſopf& Söhne hat- te Sich bereits vor dem Krieg auf die Entwicklung und den Bau hochmoder- ner Verbrennungsöfen für Krematorien