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(1993) 2/1993. September 1992
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26 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Der ehemalige Auschwitzhäftling starb am 5. Mai 1993 Stanislaw Koczanowicz ist tot

An seinem 72. Geburtstag ist der ehemalige Auschwitz-Hãftling Stanislaw Nalecz Koczano- wicz gestorben. Seit Kriegsende hatte er sich für die Erhaltung der auf den Arealen der ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager einge- richteten Gedenkstätten eingesetzt. Viele Mit- glieder unseres Vereins und auch viele Teilneh- mer von Studienreisen hatten Stanislaw Kocza- nowicz sowohl als hilfsbereiten Gastgeber als auch engagierten Gesprächspartner kennenge- lernt.

Stanislaw Koczanowicz wurde am 5. Mai 1921 in Tarnow geboren. Nach dem deutschen Uberfall auf Polen schloß er sich als 18jähriger der konspi- rativen Organisation der PfadfinderOrzel Bialy(dt.Weißer Adler') Sowie der OrganisationZwiazek Walki Zbrojnej'?(dt.Verband Bewaffne- ter Kãmpfer') an. Die beiden Gruppen operierten im Gebiet von Nowy Sacz.

Aufgrund einer Denunziation wurde Stanislaw Koczanowicz am 7. No- vember 1942 von der Gestapo verhaftet und am 23. Januar 1943 in das Konzentrationslager Ausschwitz eingeliefert; dort bekam er die Nummer 93191. In Auschwitz wurde er Opfer von medizinischen Experimenten-er wurde mit Flecktyphus infisiert. Dank der Fürsorge und Hilfe von Dr. Feikel überlebte er und wurde im Januar 1944 in das Unterlager Monowice(Buna- Werke) gebracht.

Bei einem Fluchtversuch am 14. Januar 1945 wurde er erwischt und zum Tode verurteilt: er sollte wãhrend des Appells am 20. Januar gehängt wer- den. Die Evakuierung des Lagers am 18. Januar bedeutete seine Rettung..

Während der Evakuation wurde er in folgende Konzentrationslager ver- bracht: Buchenwald-Dora, Ellrich, Oranienburg. Ende April 1945 wurd das Kl. Oranienburg evakuiert und die Haftlinge wurden zu Fuß in Richtung Lübeck getrieben, wo sie auf alte Schiffe geladen und versenkt werden sollten. Am 3. Mai wurden sie in den Wäldern in der Gegend von Schwerin von der Roten Armee befreit. Mitte Mai konnte Stanislaw Koczanowicz nach Polen zurückkehren.

Nach seinem Abschluß an der Theaterhochschule im Jahr 1947 arbeitete er als Schauspieler an verschiedenen Theatern. Sein schlechter Gesund- heitszustand- Kriegsinvalide der I. Gruppe- zwang ihn 1978 in Rente zu gehen.

Soweit es seine Behinderung zuließ arbeitete Stanislaw Koczanowicz auch nach seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben in mehreren gemei- nützigen Organisationen und wurde mehrfach mit Medailien und Auszeich- nungen geehrt. Als Zeitzeuge stellte er sich bei zahlreichen Treffen mit Jugendlichen und auslandischen Besuchergruppen zur Verfügung und be- richtete über seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern. 2