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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e.V.
weil sie Hilte und Unterstützung für Verfolgte, für Schwãchere und Ausge- grenzte geleistet hatten,
weil sie selbst zu den Schwächeren, Ausgegrenzten, Unangepaßten gehör- ten,
weil sie sich nicht an die Normen der rassistisch geformten Gesellschaft hielten,
weil sie zum Beispiel Liebesbeziehungen zu Ausländern, zu sogenannten „Untermenschen' unterhielten,
weil sie nicht der„Herrenmenschenrasse' angehörten, sondern Jüdinnen, Slawinnen, Sinti- und Romafrauen waren. Frauen und die von ihnen gebore- nen Kinder wurden vernichtet, weil sie nicht in das bevõlkerungspolitische 1 Konzept, in das Menschenbild des Faschismus paßten.
Rassismus, wie er in der Nazhkzeit ausgeformt wurde und in den vielfälti- gen Maßnahmen, Reglementierungen und Sanktionen in die persönliche Lebensgestaltung eingegriffen hat- bis hin zur Aberkennung des Rechtes auf Leben für Kranke und Behinderte, bis hin zum Völkermord am jüdi- schen Volk und am Volk der Roma und Sinti, dieser deutsche Rassismus war der bisher brutalste Angriff auf das Lebensrecht aller Menschen.
Die Schaffung eines gesunden Volkskörpers, in dem alles Schwache, Kranke, Unangepaßte,„Artfremde“, aber auch alles Selbstbewußte, zum Widerstand Fãhige,„ausgemerzt? werden sollte, wär erklärtes Ziel der damaligen Machteliten. Die deutsche Weltherrschaft, die man erringen woll- te, Ssah international eine Art Arbeitsteilung vor, in der der deutsche „Herrenmensch? bestimmte und profitierte, und Võlker aus den Ländern, auf deren Reichtümer sich die Begierde richtete, zu einem Sklavendasein verurteilt wurden.
Im Innern war nun mehr ein Menschentyp gefragt, der sich seiner „Sendung'“, nämlich Angehöriger der ausewählten Rasse zu sein, bewußt war und an diesem Sendungsbewußtsein sein ganzes Wertgefüge, sein so- ziales Verhalten orientierte.„Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl? sollte der neue deutsche Mensch sein.
Das Wertgefüge einer Gesellschaft, die Wertvorstellungen jedes einzelnen Menschen, ſassen sich jedoch nicht von heute auf morgen ändern. Der L⸗ Faschismus versuchte, mit seinen Eingriffen und Gewaltmaßnahmen diesen proʒeß der Umpolung aller bis dahin gültigen Normen und Werte in Gang zu setzen und zu beschſeunigen. Dazu gehörte die Ausrottung des tatsãchli- chen Widerstandes und des Widerstandspotentials in der Gesellschaft; diese Terrormaßnahmen trafen Frauen und Männer gleichermaßen. Dazu gehörte aber auch der Zugriff auf die menschliche Reproduktion, auf den Rõrper der Frau. Die Nazis hatten die Frauen in doppelter Weise im Visier: Als Gebärerin und als Erzieherin.
Einer der Gründe, weshalb deutsche Frauen nach Ravensbrück eingelie- fert wurden, war Abtreibung bzw. Hilfe zur Abtreibung. Nach Ravensbrück wurden auch Frauen gebracht, Mütter, die ihre Söhne vom Kriegsdienst abzuhalten versuchten. An Frauen, die als rassich minderwertig galten, wurden Methoden der Unfruchtbarmachung, der Sterilisierung bei mediæin- ischen Versuchen in Ravensbrück und in Auschwitz erprobt und entwickelt, an Jüdinnen, Polinnen und Sintifrauen. ₰


