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Lagergemeinschaft Auschwitz freundeskreis der Auschwitzer eV
OFHENER BKIEFaur politischen Gewalt
Stellvertretend an Dr. Helmut Kohl, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
Sehr geehrter Herr Dn Kohl,
gestutten Sie mir zundchst, Mnen für die deutlichen orte der Mßbilligung zu dan- ken, die Sie anldßlich der jüngsten, im Sinne des Nrtes fatalen, Gewaltuusbung in die- Sem Lande gesprochen hahen. Ich kann je- doch auch nicht verhehlen, daß Ihnen eine gewisse Vrantwortung fir den Jod der drei Menschen in Mölln zukommt, wie auch für jeden weiteren Vren, Vrlerten und Mißhan- delten, den die Gemult, der Ihre Politit eine Nr aufeestoßen hat, gebiert. Ich hoffe zu rieÿpt, daß die Vren von Molln Sie nicht un- gerührt lassen.
Natrlich kann niemand Ihnen vorwerfen, daß Ihre Rede nicht die Gewalt immer verur- reilt hahe. Aher politische erantwortung geht in diesem Falle weiter: Sie(und viele Po⸗ litische Kollegen) haben das politische Klima geschaßen, das die Unruhen dieser Zeit erst mõglich mach. Ich werfe Unen von daß Sie gegenüber der Gewalthereitschaft im günstig- Sten Fulle einen Kurs des Appeasements ge⸗ Seuert hahen. Ich werfe Ihnen von parteipo- litische Winsche ſie zum Beispiel die Kedu- zierung des Zustroms von Albewerbern) über den erſassungsgrundsat von der Wir de des Menschen zu vellen. Ich werfe Inen ganz hesonden von das Thema 49l zum Blimableiter ſür Ihre politischen Prohleme, die Sie opensichtlich nicht einzugestehen wa- gen, gemacht zu haben.
Rostock Rechtsertreme Gewalnter belagern rugelang ein Albewerberheim, Stecken Schließlich das Gebdude in Brand, man hdlt es vdhrend der Unruhen zeirweise nicht für nõtig den Nhhnblock zu hewachen. Hon der Fag wrdigkeit der Plazierung von Albe⸗ werberheimen in Gehieten mit extremer Soi- aler Belastung ganz abgesehen, ist die Reak rion auf die Ausschreinungen praktisch eine Ermunterung zur Genalt gegen Menschen. Der Rechtssraat, der Jahwehnte lang die Ma
vime, er kenne Sich nicht erpressen lassen, heront hat, geht ohne jede Gegemehr vor Gewaltdtern in die Knie, veyschleudert Sein Politisches Kapital. Denn die einzige politi- Sche Fige ist der Ruf nach einer Schnellen Wiedenaußname der AlrechtsDiskussion/
Genau die hedeutet Rostock Die Gewalt Sich, enmal wieden als erolgreiches Mitel der Innenpoilitik prãsentiert. Die Gealndter hahen gleich in Zweierlei Hinsicht viel er- reicht. Zum einen wurden die Alhewerher- Unterkiinſte gerdumt Zum anderen aber und dies ist viel Schlimmer haben Sie aus den Unruhen genau die Konsequenz gezogen, die eine Besttigung der Vheltdter darstellt: Sie haben zuenst einmal nach einer erchrfung des Asylrechtes gerufen. Sie haben Sich nicht ie ein Mann“ hinter die Angegrißfenen, hinter diejenigen, deren Grundrechte verlett vunden, gestellt, vondern sie hahen mit Mhrer Reaktion im Gegenteil hetont, daß Sie der un- rerschwelligen Grundhaltung, die Sich hinter den Unruhen verbirgt, Sehr grob gesagt. Aus- dnder naus“ dunchaus nicht abgeneigt Sind, das Lippenbekennmis gegen das Mittel zum Zeck geniigt einfach nicht, dies gilt auch für die Opposition, die vehenden Auges in die Volitische Rulle getuppt ist. Die Frage, oh 0 viele Asylhenerber zuiele Ausldnder in Deutschlònd Sind, ist ſir die Bewertung der Rostocker Unruhen völlig unerheblich. Ent- Scheidend ist, daß Ihre Reaktion auf Kostock den Ttern eine Bestdtigung Sein muß, daß der eg der Politik Sich mit Gewalt
leiten ldßt. Glauben Sie, Herr Dr Kohl, daß der Haß hei den Alhewerbern halmachen vlinde, daß nicht hald alle Ausldnder zum Dom in den Augen werden würdenꝰ Der Haß vird auch darüber noch hinauswachsen, venn wir ihn weiter gemdhren lassen.
Die Achtung vor der Wirde des Menschen, vor der Wirnde des Schcheren, hätte die


