Heft 
(1992) 2/1992. Mai 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Verlegt nach Hadamar

von Regine Gabriel

Spurensuche in der Gedenkstätte Hadamar Historische Hintergründe

Von Januar 1941 bis August 1941 wurden in der Heil- und Pflegeanstalt Hadamar bei Limburg über 10.000 geistig behinderte und psychisch kranke Menschen ermordet.

Hadamar war die sechste und letzte der von den Nationalsozialisten eingerichteten Tö⸗ tungsanstalten im Deutschen Reich, in de- nen von 1940 bis 1941 im Rahmen des Buthanasie Programms 70.243 Men- schen ermordet wurden.

Die Opfer wurden in einer als Duschraum getarnten Gaskammer mit Kohlenmonoxid- gas getötet und anschließend verbrannt.

Die Arzte und das Pfelgepersonal wurden in dieser ersten Phase derEuthanasie in der Berliner Zentrale in der Tiergartenstra- Be 4 eingestellt. Diese Adresse wurde im weiteren als Deckname für die Ermordung psychisch Kranker und geistiger Behinder- ter benutzt: Aktion T 4.

Das offizielle Ende dieser ersten Phase am 24. August 1941 leitete über zu den dann folgenden Verbrechen gegen die jüdischen BürgerInnen. DieEuthanasie Aktion kann alsVorläufer dessen verstanden werden, was ab September 1941 und nach der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 systematisch mit der sog.Endlösung der Judenfrage betrieben wurde.

Sowohl die Technik für die Ermordnung Kranker als auch das T 4 Personal wurde mit den bei derEuthanasie gemachten Erfahrungen in den Vernichtungslagern Treblinka, Sobibor, Maidanek, Belzec und Auschwitz eingesetzt.

Somit wird deutlich, die Ermordnung in ei- ner als Duschraum getarnten Gaskammer, die Verbrennung der Leichen in eigens da- für errichteten Krematorien und nicht zu- letzt das für diese Arbeit notwendige Personal hat denProbelauf für die dann

folgende millionenfache Tötung von Men- schen bestanden.

In der sog. 2. Phase derEuthanasie von 1942 bis 1945 töteten Pfleger und Schwe- stern auf Anweisung des leitenden Arztes mit Uberdosen von Medikamenten und ei- ner systematischen Mangelernährung noch- mals über 4. 000 Menschen.

In dieser Zeit erweiterte sich der Personen- kreis derer, die zur Tötung erfasst wurden: neben geistig Behinderten und psychisch Kranken wurden nun alte Menschen, Men- schen die auf Grund von Bombenangriffen unter vorübergehenden Desorientierungen litten, Kinder die in Fürsorgeerziehung leb- ten und deren einer Elternteil jũdisch war, sowie tuberkulosekranke, vor allem osteu- ropãische ZwangsarbeiterInnen ermordet.

Hadamar ist heute ein Synonym für diesen Vernichtungsfeldzug gegen kranke, schwa- che und hilfsbedürftige Menschen.

1. Die Gedenkstätte und ihr Angebot

1964 wurden die Massengräber aus der 2. Phase auf dem Friedhof in eine Gedenkstãt- te umgewandelt und seit 1983 sind die ehe- malige Gaskammer, der Sektionsraum Sowie der Standort der Krematorien als Ge-

Die9rauen Busse, in denen die Opfer 1941 nach Hadamar transportiert wurden.